Vom Ersatzmann zum Rückhalt: Gersbecks große Chance bei Hertha

Bild: Lars Baron/Getty Images
Nach dem Abgang von Tjark Ernst schien Hertha BSC auf der Torhüterposition vor einer großen Baustelle zu stehen. Marius Gersbeck könnte jedoch dafür sorgen, dass die Berliner ihren Nachfolger gar nicht außerhalb des eigenen Kaders suchen müssen.
Drei Spielzeiten lang war Ernst die unumstrittene Nummer eins im Hertha-Tor. Nach 97 Pflichtspieleinsätzen verließ der 23-Jährige den Hauptstadtklub im Juli und wechselte zu Feyenoord Rotterdam. Zurück blieb eine Lücke, die Gersbeck nun schließen kann. Der 31-Jährige besitzt nicht nur die sportlichen Fähigkeiten dafür. In einer jungen Mannschaft könnte er zugleich zu einem wichtigen Führungsspieler werden.
Gersbeck nutzt seine erste Gelegenheit
Beim 1:0 zum Zweitligaauftakt in Bochum erhielt Gersbeck das Vertrauen von Trainer Stefan Leitl. Der Routinier hielt seinen Kasten sauber und vermittelte auch in einer umkämpften Schlussphase die notwendige Ruhe.
Anschließend stellte der Torhüter die geschlossene Mannschaftsleistung in den Vordergrund. „Natürlich freue ich mich persönlich, dass ich dabei auf dem Platz stand – aber ich ordne mich wie wir alle der Mannschaft unter. Es geht am Ende um Hertha BSC“, erklärte Gersbeck auf der Vereinsseite.
Diese Haltung könnte für Hertha ebenso wertvoll werden wie seine Paraden. Gersbeck kennt den Verein, das Umfeld und die Anforderungen der 2. Bundesliga. Besonders für die jüngeren Spieler kann er auf und neben dem Platz zu einer wichtigen Orientierungshilfe werden.
Hertha muss nicht bei null beginnen
Gersbeck wurde bei Hertha ausgebildet und feierte bereits im Dezember 2013 sein Bundesligadebüt. Nach seinen Stationen beim Chemnitzer FC, VfL Osnabrück und Karlsruher SC kehrte er im Sommer 2023 nach Berlin zurück.
Seine zweite Zeit bei der Alten Dame verlief zunächst nicht wie erhofft. Nach dem bekannten Vorfall im Trainingslager rückte seine sportliche Perspektive in den Hintergrund. Gersbeck blieb dennoch im Verein, akzeptierte seine Rolle hinter Ernst und war zur Stelle, wenn er benötigt wurde.
Mit dem Wechsel des bisherigen Stammtorhüters eröffnet sich für ihn nun eine neue Gelegenheit. Statt weiterhin nur der erfahrene Vertreter zu sein, kann Gersbeck selbst zu einem festen Bestandteil des sportlichen Gerüsts werden.
Leitl sieht andere Baustellen
Dass Hertha weiterhin zwingend einen neuen Stammtorhüter verpflichtet, erscheint inzwischen keineswegs sicher. Nach dem Sieg in Bochum verwies Leitl auf die Außenverteidigerpositionen und den Angriff als die dringlicheren Baustellen des Kaders.
Für Gersbeck kann das als Vertrauensbeweis verstanden werden. Bestätigt er seinen gelungenen Saisonstart, könnten die Berliner ihre begrenzten finanziellen Möglichkeiten für andere Mannschaftsteile verwenden. Ein Freifahrtschein ist die Vorstellung gegen Bochum allerdings nicht. Gersbeck war zuletzt über einen längeren Zeitraum kein Stammtorhüter und muss nun beweisen, dass er seine Leistung konstant abrufen kann. Ein gegentorloses Spiel ist dafür ein guter Anfang, aber noch keine endgültige Antwort.
Hertha kann dennoch froh sein, nach dem Verlust von Ernst einen Torhüter in der Hinterhand gehabt zu haben, der den Verein und die Liga bestens kennt. Gersbecks große Chance besteht nun darin, aus dieser Position heraus mehr zu werden: die neue Nummer eins auf dem Platz und ein stabiles Rückgrat für die gesamte Mannschaft.