Nach Völler-Ansage: Klopp und Müller stecken in der Zwickmühle

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images
Thomas Müller und Jürgen Klopp sind als Experten-Duo gut gestartet. Nun besteht die Gefahr, dass sie ein anderes Verhalten an den Tag legen.
Für Jürgen Klopp und Thomas Müller hätte der Experten-Job bei Magenta TV zur WM 2026 richtig Spaß machen können: gute Bezahlung, frei nach Schnauze reden und nah dran an den Mannschaften sein. Das Gute-Laune-Duo begann auch extrem stark. Humor mischte sich mit Expertise, fast ein bisschen das amerikanische CBS Sports Golazo (u.a. mit Thierry Henry) kopierend.
Doch wie es eben so ist, geht auch im Leben von Fußball-Helden manchmal der Schuss nach hinten los. Denn Berichterstatter und der DFB-Tross verstehen eben kein Entertainment, wenn es um Deutschland und das DFB-Team geht. Schon gar nicht bei der WM 2026.
Angriff auf Musiala?
Aufstellungsplanspiele werden gleich als Angriff auf Jamal Musiala verstanden – und ein etwas überbetontes „Noch“ wird gleich als möglicher Wechsel auf den Bundestrainerposten von Julian Nagelsmann hin zu Klopp interpretiert.
So kam Rudi Völler vor dem Spiel Deutschland gegen Curaçao zu Magenta TV zum Interview und gab Klopp und Müller deutlich zu verstehen, dass die Show zu Ende sein müsse. Der DFB-Sportdirektor bezeichnete sie als Komiker, empfahl Müller einen Trainerschein und bat Klopp zu einem ernsten Gespräch.
Erstaunlich war dabei, dass Klopp und Müller überrascht wirkten und sofort ihr Verhalten änderten. Während des Spiels gab es Torjubel wie man sie nur von Fanboys kennt, nach dem Spiel entschuldigte sich Klopp bei Julian Nagelsmann für seine „Noch-Bundestrainer-Aussage“ und bezeichnete sich selbst als 59-jährigen Idioten. Noch schlimmer aus journalistischer Sicht: Klopp sprach davon, immer ein „Team“ mit Deutschland zu sein.
Experten legen Finger in die Wunde
Dabei sind Experten dafür da, den Finger in die Wunde zu legen und mit ihrer Expertise zu brillieren. Das Show-Element darf natürlich dazu gehören.
Müller und Klopp haben wahrscheinlich auch das Problem, dass Magenta TV als offizieller TV-Partner in Deutschland alle Spiele der WM 2026 überträgt und gerne ein partnerschaftliches Verhältnis zu den WM-Startern pflegen möchte.
So stecken Müller und Klopp in der Zwickmühle: Ihre Expertise, ihr Show-Talent, ihr gemeinsamer Vibe beleben die Berichterstattung. Allerdings droht starker Gegenwind, weil dieses Format in Deutschland noch ungewohnt ist. Hinzu kommt, dass Klopp tatsächlich (irgendwann) der nächste Bundestrainer werden könnte, was seinen Worten mehr Dramatik verleiht, als wenn es ein Experte xy aussprechen würde.
Bleibt zu hoffen, dass Klopp und Müller an ihren eigentlich guten Start anknüpfen können und sich nicht von Druck einschüchtern lassen. Denn leider musste man am Ende des Abends diesen Eindruck haben.