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BVB-Analyse: Was darf Dortmund sich von der neuen Saison versprechen

Bild: Masashi Hara/Getty Images

Borussia Dortmund geht mit berechtigten Ambitionen, aber auch mit ungelösten strukturellen Problemen in die neue Saison.

Als Niko Kovac im Februar 2025 übernahm, stand Borussia Dortmund auf einem enttäuschenden elften Tabellenplatz. Ein furioser Schlussspurt sicherte am Ende dennoch die Qualifikation für die Champions League.

In seiner ersten kompletten Saison legte Kovac nach und führte Dortmund zur Vizemeisterschaft hinter dem FC Bayern. Mit satten 73 Punkten lies der BVB dahingehend nichts anbrennen.

Kovac mit beeindruckender Statistik

Statistisch betrachtet ist Kovacs Erfolg beeindruckend, mit durchschnittlich 2,29 Punkten pro Spiel in der abgelaufenen Saison. Damit übertrifft er sogar Jürgen Klopps Quote am Ende von dessen BVB-Ära, die bei lediglich 1,91 Zählern lag.

Das Fundament dieses Erfolgs ist allerdings weniger spielerische Dominanz als vielmehr defensive Stabilität. Dortmund stellte in der vergangenen Saison die beste Abwehr der gesamten Liga, sogar noch vor Meister Bayern München.

Im Ballbesitz dagegen bleibt das Spiel der Borussen auffällig vorhersehbar, trotz eines Ballbesitzschnitts von knapp 57 Prozent. Analysten sprechen inzwischen vom „Kovac-U“: Der Ball wandert in der Dreierkette meist quer, ehe er irgendwann über die Außenbahnen ins letzte Drittel getragen wird.

Auf furiosen Start folgt der Einbruch

Das Zentrum, wo eigentlich die kreativsten Spieler des Kaders stehen, wird dabei systematisch gemieden. Kovac selbst begründete das schon in seiner Münchner Zeit sinngemäß damit, man müsse eben über außen spielen, wenn die Mitte verstopft sei, wie Goal berichtete. Ein Satz, der wie eine Resignation vor spielerischer Kreativität klingt.

Wer Kovacs Karriere verfolgt, erkennt ein wiederkehrendes Muster. Auf einen furiosen Start folgt oft schon im zweiten oder dritten Jahr ein spürbarer Einbruch. Nur bei Eintracht Frankfurt zwischen 2016 und 2018 blieb er länger als zwei Jahre auf einem gewissen Leistungsniveau, in München und Wolfsburg ging es danach jeweils schnell bergab.

Vorbereitung 2026: Alte Probleme auf neuer Bühne

Genau dieses Muster zieht sich auch durch die laufende Saisonvorbereitung. Gegen Cerezo Osaka verlor der BVB 0:1. Auch gegen Fortuna Düsseldorf reichte es trotz früher Führung am Ende nur zu einer 1:2-Niederlage.

Am deutlichsten zeigte sich das Problem beim 1:0-Testsieg gegen FC Tokyo, wo Dortmund zeitweise über 75 Prozent Ballbesitz hatte, daraus aber kaum klare Chance kreierte.

Der spät erzielte Siegtreffer fiel eher aus einer Einzelaktion als aus einem durchdachten Angriffsmuster heraus. Viel Ballbesitz und wenig zwingender Zug zum gegnerischen Tor, ein Bild, das sich seit Monaten wiederholt und selbst gegen spielerisch unterlegene Testspielgegner nicht verschwindet.

Kaderumbau ohne echten Systemwechsel

Personell hat sich beim BVB im Sommer einiges verändert, an der taktischen Grundausrichtung bislang aber wenig. Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan verließen den Verein, Karim Adeyemi wechselte zum FC Barcelona.

Als Ersatz kamen bislang Joane Gadou für die Innenverteidigung und Konstantinos Karetsas als kreativer Brandt-Nachfolger. Sportdirektor Ole Book, seit März im Amt, hat damit zwei der wichtigsten Transferbaustellen bereits geschlossen, wenn auch ohne erkennbare taktische Kurskorrektur.

Wo der Schuh wirklich drückt

Offen bleibt weiterhin die Suche nach einem echten Sechser, der Stabilität und sauberen Spielaufbau gleichzeitig liefern könnte. Auch ein direkter Ersatz für Adeyemi auf dem Flügel, konkret Kölns Said El Mala, ist trotz wochenlanger Verhandlungen bislang nicht fixiert.

Die Abwehr bleibt trotz Gadous Verpflichtung dünn besetzt für ein System mit drei echten Innenverteidigern. Nico Schlotterbeck wird mit Real Madrid in Verbindung gebracht, sein Vertrag läuft aber offiziell noch bis 2027.

Verlässt auch er den Klub, müsste Dortmund kurzfristig einen Innenverteidiger auf hohem Niveau ersetzen. Für ein System, das defensiv fast ausschließlich auf diese Positionsgruppe aufbaut, wäre das eine ernsthaft heikle Ausgangslage.

Zusätzlich steht Toptorjäger Serhou Guirassy Berichten zufolge auf der möglichen Verkaufsliste, umworben unter anderem von Fenerbahce. Ohne einen adäquaten Ersatz würde ein solcher Abgang die ohnehin schmale Offensivbreite empfindlich schwächen, gerade angesichts der beschriebenen Chancenverwertungsprobleme.

Fazit

Der BVB hat unter Kovac eindrucksvoll bewiesen, dass ein reaktiver, defensiv geprägter Ansatz auch gegen namhafte Konkurrenz Spitzenplätze ermöglicht. Die Vizemeisterschaft war keine Eintagsfliege, sondern das Resultat harter, disziplinierter Arbeit und einer der besten Defensivorganisationen der jüngeren Vereinsgeschichte.

Für den nächsten Schritt hin zu einem echten Titelkandidaten reicht dieses Erfolgsrezept aber vermutlich nicht mehr aus. Es braucht eine tiefere, verletzungsresistente Abwehr, endlich einen etatmäßigen Sechser und vor allem den Mut, die eigenen kreativen Spieler auch im Zentrum wirken zu lassen.

Gelingt dieser Schritt nicht, droht ein historisch vertrautes Muster: ein starker Beginn, gefolgt von einem schleichenden Bedeutungsverlust, sobald Gegner sich auf die Vorhersehbarkeit des Spielaufbaus eingestellt haben. Die Vorbereitung 2026 liefert dafür bereits erste, unbequeme Indizien.

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