Keine Geldstrafe? Real Madrid und seine Fans machen Ceuta zum CL-Thema

Bild: Angel Martinez/Getty Images
Real Madrid und seine Fans positionierten sich vor dem Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand zur Ceuta-Thematik. Nimmt hier die Politik über den Fußball überhand?
Die Trennung oder doch die Vermengung von Sport und Politik ist ein Dauerthema der öffentlichen Diskussion.
Konsens beim Fußball ist es, dass politische Themen, abgesehen von wenigen Ausnahmen (zum Beispiel dem Kampf gegen Rassismus), dort nichts verloren haben. Die Verbände stellen bestimmte Vorgehensweisen sogar unter Strafe.
Real besiegt Inter mit 2:1
Am Dienstagabend haben nun Real Madrid und die Fans des Vereins die Thematik um Ceuta ins Stadion getragen. Beim CL-Spiel gegen Inter Mailand gab es kurz vor Spielbeginn eine große Choreografie der Fans zum Thema. Der Verein promotete die Thematik daraufhin selbst online.
„Die „Grada Fans“ organisierten eine Hommage an Ceuta. Im Südblock des Santiago-Bernabéu-Stadions entfalteten die Real-Madrid-Fans Plakate mit dem Wappen der autonomen Stadt Ceuta. Der Rest des Stadions schloss sich dieser Würdigung mit einer Standing Ovation an“, schrieb Real Madrid auf seiner offiziellen Homepage. Gleichzeitig gab es im Stadion unter anderem beleidigende Sprechchöre gegen die höchsten Amtsträger der spanischen Regierung, denn hinter der diplomatisch formulierten Mitteilung verbergen sich politische Forderungen.
Um was geht es bei Ceuta in aller Kürze? Spanien besitzt an der nordafrikanischen Küste zwei kleine Territorien, darunter Ceuta. Dort sind zuletzt ohne Genehmigung sehr viele Menschen aus Marokko mit einem Schlag hingeflüchtet. Viele dieser Menschen sind wieder nach Marokko zurückgekehrt, doch mehrere tausend Menschen verweilen nun, vor allem in Ceuta, am Strand.
Dadurch kam es zu einer großen Polarisierung in der spanischen Bevölkerung: Es geht um den Umgang mit Flüchtlingen, um die spanische Kolonialgeschichte und welche Besitztümer sich davon ableiten lassen , sowie um die Leistungskraft der aktuellen spanischen Minderheitsregierung.
Proteste in Spanien
So kommt es derzeit zu Massendemonstrationen in Spanien, die auch thematisch immer mehr Sichtbarkeit im professionellen spanischen Fußball erlangen.
Dass jedoch ein Verein wie Real Madrid dieses Thema nun bewusst politisch fördert und es sogar der kompletten Fankurve bei einem Spiel in der Champions League gestattet ist, sich politisch auf eine Seite zu schlagen, ist eine Seltenheit.
Die UEFA schreibt schließlich ganz klar vor, dass politische Bekundungen bei Champions-League-Spielen nichts verloren haben. Zwar geht die UEFA nicht immer konsequent vor – so durften zum Beispiel Fans von Celtic Glasgow im Konflikt zwischen Palästinensern und Israel Flagge für eine Seite zeigen –, generell drohen bei politischen Bekundungen jedoch hohe Geldstrafen.
Es ist daher erstaunlich, dass von der UEFA dazu noch gar nichts zu hören war. Offenbar darf die Politik hier über den Fußball überhandnehmen.