WM 2026

Hydration Break: Die gefährlichste Versuchung, seit es Fußball gibt

Bild: Molly Darlington/Getty Images

Die fest eingeplanten Trinkpausen zählen zu den Neuerungen bei der WM 2026. Sie sind aber auch ein großer Aufreger bei den Fans – und eine gefährliche Veränderung für das Fußballspiel.

Abseitsregel, Rückpassregel, Handspielregel, VAR: Der Fußball hat sich stets weiterentwickelt, aber seine Grundgesetze sind lange Zeit dieselben geblieben. Dazu gehörte: Ein Profispiel im Fußball dauert zweimal 45 Minuten, dazu etwas Nachspielzeit.

Nun hat die FIFA zur WM 2026 eine festgeschriebene Trinkpause von rund drei Minuten eingeführt. Wenn in den Stadien der WM 2026 nach rund 23 Minuten eine „Hydration Break“ angekündigt wird, ertönen laute Buhrufe der Fans in der Arena. Die Spieler trinken währenddessen etwas, und ihre Trainer nutzen die Zeit intensiv, um das In-Game-Coaching auf eine neue Stufe zu heben.

Elfenbeinküste drehte gegen Deutschland auf

Regelmäßig ist aber zu beobachten, dass sich nach einer Trinkpause die Kräfteverhältnisse auf dem Platz komplett ändern. Zum Beispiel hatte Deutschland gegen die Elfenbeinküste einige Chancen in den ersten 20 Spielminuten, doch nach der Trinkpause war plötzlich die Elfenbeinküste am Drücker und erzielte das zwischenzeitliche 1:0.

Die Trinkpausen bringen eine echte Unterbrechung in die Partie und beeinflussen das Spiel maßgeblich. Manche Profis benötigen offenbar Zeit, um sich wieder ins Spiel einzufinden, während andere Teams plötzlich mit einem neuen Spirit die Partie angehen. Solche auffälligen Dominanzwechsel in dieser Häufigkeit waren im Fußball bisher nie zu beobachten. Die Trinkpausen haben wesentlichen Einfluss auf das Spiel. Die Frage wird künftig sein, ob der Fußball diese Neuerung nach der WM 2026 dauerhaft etablieren möchte.

WM-Spiele finden teilweise bei 15 Grad Celsius statt

Außer Frage steht, dass die Trinkpausen nicht in erster Linie dem Wohl der Spieler dienen. Diese griffen zuvor überwiegend in Verletzungspausen zu ihren Flaschen und kamen damit gut zurecht. Die Einführung wurde damit begründet, dass Spieler bei Partien mit hohen Temperaturen geschützt werden müssen. Doch in zahlreichen Spielen herrscht keine besonders große Hitze. Manchmal regnet es, manchmal sind es nur 15 Grad Celsius, manchmal gibt es Stadien mit Klimaanlage und Hallendach.

Die generelle Einführung ist natürlich dazu gedacht, den TV-Sendern, die enorme Summen für die Übertragungsrechte bezahlt haben, die Möglichkeit zu geben, durch weitere Werbeeinblendungen ihre Ausgaben wieder hereinzuholen. Dabei muss man wissen: Werbeeinblendungen werden in der Regel Wochen und Monate im Voraus bei den TV-Sendern gebucht. Geplante Werbezeiten sind das Beste, was kommerziell denkende Firmen passieren kann. Es wäre in der Werbeplanung ein absolutes Chaos, wenn Trinkpausen nur bei Partien stattfinden würden, wo es wirklich heiß ist.

Die Trinkpausen verändern also den Kern des Fußballspiels und tragen zur weiteren Kommerzialisierung bei. Das sollte allen Beteiligten zu denken geben.

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