Gibt es Bestechung im Fußball? Ex-FIFA-Schiri Aytekin packt aus

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images
Bestechungsvorwürfe gegen Schiedsrichter sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Ein Ex-Referee erzählt nun von seinen Erfahrungen.
Deniz Aytekin hat im TOMorrow Business Podcast über das Thema Bestechung beim Fußball gesprochen. In Deutschland habe er nie auch nur einen Annäherungsversuch erlebt, betonte der frühere FIFA-Schiedsrichter.
In seiner gesamten Karriere habe es nur eine einzige Situation gegeben, die ihn irritiert habe. Und die spielte sich in Bulgarien ab.
Paket auf dem Hotelbett
Vor einem Qualifikationsspiel zur Champions League fand Aytekin nach eigenen Worten ein Paket auf seinem Hotelbett. „Da habe ich aufgemacht, dann habe ich gesehen, da ist ein Stück Gold drin.“
Weil die UEFA bei Geschenken an Schiedsrichter sehr genau hinschaut, meldete Aytekin den Fund sofort dem zuständigen Delegierten. Die Auflösung war wenig spektakulär: Es handelte sich um ein dünnes Souvenir aus einer örtlichen Goldmine, das kaum etwas wert war.
Trotzdem müsse man so etwas proaktiv melden, erklärte Aytekin. Schließlich könne man nicht wissen, ob das Geschenk am Ende Tausende Euro wert sei.
„Wahnsinnige Diskussion“ in anderen Ländern
Ganz ausblenden lässt sich das Thema aber nicht. „Es gibt natürlich schon Länder, wo das Thema anders ist“, sagte Aytekin. Einige Länder würden ihren eigenen Schiedsrichtern nicht trauen.
Als Beispiele nannte er Griechenland und die Türkei, wo es derzeit eine „wahnsinnige Diskussion“ gebe. In einem dieser Länder sei vor einigen Wochen sogar der Schiedsrichterchef verhaftet worden, berichtete Aytekin.
„Es ist nicht wahr“
In Deutschland sieht Aytekin das Thema gelassen. Er kenne viele aktive Kollegen und sei überzeugt, dass sie jeden Ansatz eines Bestechungsversuchs sofort melden würden.
Mythen wie den angeblichen „Bayern-Bonus“ hält er deshalb für Märchen. Dass Fans darüber diskutieren, sei in Ordnung. „Das macht’s ja auch irgendwie witzig, aber es ist nicht wahr.“