Final-Coaches als Vorbilder: Hätte DFB-Team mehr Wück statt Nagelsmann gebraucht?

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images
Im Finale der WM 2026 stehen mit Lionel Scaloni und Luis de la Fuente zwei Coaches, die zuvor als Jugendtrainer aktiv waren.
Es gibt zahlreiche Gründe, warum Spanien und Argentinien das Finale der WM 2026 bestreiten. Ebenso gibt es einige Gründe, warum Deutschland bereits im Sechzehntelfinale der WM 2026 gegen Paraguay ausgeschieden ist. Unbestritten ist, dass die Trainer eine enorm wichtige Rolle spielen. Das Versagen von Julian Nagelsmann bei der WM 2026 wurde in Deutschland ausführlich diskutiert, sein Rücktritt war die logische Konsequenz.
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni und Luis de la Fuente vereinen hingegen zahlreiche positive Eigenschaften. Auffällig in ihrer Biografie: Beide waren einst solide Erstliga-Profis in europäischen Top-Ligen. Vor allem aber haben beide Jugendnationalmannschaften trainiert.
De la Fuente holte im Jugendbereich Titel
De la Fuente betreute die U18-, U19- und U21-Auswahlen Spaniens. Mit der U19 und der U21 wurde er Europameister. Nahezu alle aktuellen Nationalspieler kennt er bereits aus ihrer Jugendzeit. Dadurch sind die Spanier auf ganz natürliche Weise eine vertrauensvolle Einheit geworden. Sie funktionieren wie ein Uhrwerk und kämpfen füreinander. Der Gewinn der Europameisterschaft 2024 verschaffte zusätzliches Selbstbewusstsein.
Auch Lionel Scaloni hatte stets ein Auge für die Jugendspieler Argentiniens. Zunächst war er 2016/17 Co-Trainer der Nationalmannschaft. 2018 übernahm er die U20-Auswahl. Scaloni gewann fünf von sechs Spielen, dann wurde er überraschend und unter großen Widerständen zum Cheftrainer der Argentinier befördert.
Unglaublich: Von 103 Länderspielen hat Argentinien unter seiner Führung erst neun verloren. Es folgten unter anderem zwei Siege bei der Copa America sowie der WM-Titel 2022 in Katar.
Wück und Kuntz waren Optionen
So stellt sich die Frage: Hätte Deutschland in den vergangenen Jahren auch auf ein ähnliches Trainerprofil setzen sollen? Also auf einen soliden ehemaligen Profi, der mit deutschen Jugendnationalmannschaften Erfolg hatte? Zwei Trainer wären zu gewissen Zeitpunkten tatsächlich infrage gekommen. Christian Wück führte die U17-Auswahl 2023 zur Welt- und Europameisterschaft. Wück war früher Bundesligaprofi und ist nun Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft.
Stefan Kuntz führte die U21-Auswahl zweimal zum EM-Titel (2017 und 2021). Als Profi wurde er deutscher Meister und Europameister. Zeitweise wurde Kuntz sogar als Bundestrainer gehandelt, doch DFB-Manager Oliver Bierhoff setzte 2021 auf die vermeintlich sichere Variante Hansi Flick. Erwähnenswert: Vor wenigen Monaten musste Kuntz aufgrund eines Skandals seinen Vorstandsposten beim Hamburger SV niederlegen. Er kommt für das Amt nun nicht mehr infrage.
Dennoch zeigt sich, dass Deutschland von den Trainerprofilen her einen ähnlichen Weg wie Spanien und Argentinien hätte einschlagen können. Mit Wück oder Kuntz hätte es nicht viel schlimmer kommen können als mit Flick (WM-Vorrundenaus) oder Nagelsmann (EM-Viertelfinale, WM-Sechzehntelfinale).
Dennoch gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Offenbar bricht wieder die Zeit der Star-Trainer für Nationalmannschaften an. Jürgen Klopp wird voraussichtlich Deutschland übernehmen, Zinedine Zidane Frankreich und Pep Guardiola vielleicht Italien. Für die EM 2028 wird Deutschland demnach den Trainer-Trend – anders als in den Jahren 2018 bis 2026 – nicht verpassen.