Null Punkte, null Tore: Der HSV hat mehr als ein Ergebnisproblem

Bild: Selim Sudheimer/Getty Images
Die Vorfreude war groß. Nach mehreren namhaften Verpflichtungen sollte das erste Heimspiel der Saison zeigen, welches Potenzial im neuen Hamburger SV steckt. Stattdessen erlebte der Volkspark beim 0:5 gegen Mainz 05 einen vollständigen Zusammenbruch.
Nach dem 0:2 bei Borussia Dortmund steht der HSV am Tabellenende: null Punkte, kein eigenes Tor und bereits sieben Gegentreffer. Noch bedenklicher als diese Bilanz war der Eindruck, den die neu formierte Mannschaft hinterließ.
Viele neue Namen ergeben noch keine Mannschaft
Merlin Polzin veränderte seine Startelf auf vier Positionen. Die spät verpflichteten Zakaria El Ouahdi und David Møller Wolfe feierten direkt ihr Debüt, Fábio Vieira wurde nach der Pause eingewechselt. Neue Impulse entstanden dadurch kaum.
Mainz wirkte eingespielt, klar und in beinahe jeder Situation gedanklich schneller. Der HSV hatte zwar zwischenzeitlich mehr Ballbesitz, wusste damit jedoch wenig anzufangen. Gleichzeitig genügten den Gästen einfache Ballgewinne, um die Hamburger Defensive in Schwierigkeiten zu bringen.
Beim ersten Gegentreffer verlor Kapitän Nicolai Remberg den Ball im Mittelfeld. Vor dem 0:2 bekam der HSV anschließend keinen Zugriff auf Sheraldo Becker und Phillipp Mwene. Nach der Pause brach die Mannschaft vollständig auseinander. Remberg sprach gegenüber der MOPO von Gegentoren, die „viel zu billig“ gewesen seien.
Polzin muss dem HSV schnell eine Basis geben
Dass zahlreiche Spieler erst seit wenigen Tagen gemeinsam trainieren, ist eine nachvollziehbare Erklärung für fehlende Abläufe. Als Entschuldigung für eine derart mutlose Vorstellung reicht der große Umbruch allerdings nicht aus.
„Das Ergebnis spricht für sich. Es ist ein maximal beschissener Nachmittag für uns“, erklärte Polzin in den vom HSV veröffentlichten Stimmen. Seine Mannschaft habe nicht in die vorgesehenen Abläufe gefunden und müsse viele Dinge aufarbeiten. Dabei geht es zunächst weniger um anspruchsvolle spielerische Lösungen. Der HSV benötigt Verlässlichkeit: klare Zuständigkeiten, mehr Widerstand in den Zweikämpfen und eine Mannschaft, die nach einem Gegentor nicht ihre gesamte Ordnung verliert.
Die Qualität des neu zusammengestellten Kaders lässt sich nach zwei Spieltagen noch nicht abschließend bewerten. Dass Polzin aus den vielen neuen Einzelteilen möglichst schnell eine funktionierende Einheit formen muss, hat das Mainzer Debakel jedoch unmissverständlich gezeigt.