2. LigaHertha BSC

Wird der „Berliner Weg“ zur großen Chance für die Hertha?

Bild: Maja Hitij/Getty Images

Viele Abgänge, kaum finanzielle Möglichkeiten und bislang keine externen Neuzugänge. Herthas Situation wirkt auf den ersten Blick besorgniserregend, doch gleichzeitig könnte der viel beschworene Berliner Weg nun zu einer echten Chance werden.

Bislang blieb ebenjener Berliner Weg allerdings häufig ein Versprechen. Talente erhielten zwar Profiverträge, mussten für regelmäßige Spielpraxis aber oftmals ausgeliehen werden oder verließen den Verein frühzeitig. Nun sorgt die angespannte Situation dafür, dass Trainer Stefan Leitl tatsächlich auf den Nachwuchs zurückgreifen muss.

Was hinter dem Berliner Weg steckt

Die Grundidee ist nicht neu: Hertha möchte verstärkt auf Spieler aus der eigenen Akademie setzen, ihnen einen klaren Weg in die Profimannschaft eröffnen und so eine größere Identifikation mit dem Verein schaffen. Gleichzeitig sollen geringere Personalkosten und mögliche spätere Transfererlöse zur finanziellen Stabilisierung beitragen.

Gleich neun Spieler aus der eigenen Akademie durften sich laut rbb24 im Trainingslager präsentieren. Die jungen Profis sollen nicht länger nur den Kader auffüllen, sondern sich ernsthaft für Einsatzzeiten empfehlen.

Gouram wird zur Entdeckung der Vorbereitung

Besonders Soufian Gouram nutzte seine Gelegenheit. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler stand in den ersten vier Testspielen jeweils in der Startelf. Beim 3:1 gegen Lok Leipzig erzielte er zudem mit einem Schuss aus rund 20 Metern ein sehenswertes Tor.

Gouram unterschrieb erst im Mai seinen ersten Profivertrag, der bis 2027 läuft. Wie die Bild berichtete, gilt er inzwischen als eine der größten Entdeckungen der Vorbereitung. Der technisch starke Mittelfeldspieler zeigt, wie schnell sich die Rangordnung verändern kann, wenn einem Talent dauerhaft Vertrauen geschenkt wird.

Ndi meldet sich eindrucksvoll zurück

Auch Jelani Ndi sammelte wichtige Argumente. Der 18 Jahre alte Rechtsaußen erzielte beim 3:2-Erfolg gegen die WSG Tirol den entscheidenden Treffer. Die Situation leitete er durch einen Doppelpass mit Jón Dagur Thorsteinsson selbst ein.

Besonders bemerkenswert ist seine Entwicklung aufgrund der schwierigen Vorgeschichte. Ndi fiel zuvor mehr als ein Jahr mit einem Kreuzbandriss aus. Nun bringt er mit seinem Tempo, seinen Dribblings und seinem Zug zum Tor Eigenschaften mit, die Hertha auf den offensiven Außenbahnen dringend benötigt.

Der Nachwuchs braucht ein stabiles Gerüst

Der Berliner Weg kann Herthas Kaderprobleme nicht automatisch lösen. Junge Spieler benötigen Zeit, dürfen Fehler machen und brauchen erfahrene Profis, die ihnen auf dem Platz Sicherheit geben. Gezielte Verstärkungen bleiben deshalb notwendig. Gouram und Ndi zeigen jedoch, welches Potenzial in der eigenen Akademie steckt. Wenn Hertha den Talenten nicht nur aus finanzieller Not, sondern dauerhaft Einsatzzeiten und Vertrauen gibt, könnte der schwierige Sommer zum Beginn eines glaubwürdigen Berliner Weges werden.

Dass Leitl grundsätzlich bereit ist, jungen Spielern Verantwortung zu übertragen, hat er bei seinen früheren Stationen bereits bewiesen. Fürth führte er unter anderem Jamie Leweling an den Profifußball heran, in Hannover ermöglichte er mehreren Talenten ihr Debüt. Bei Hertha machte er Kennet Eichhorn mit 16 Jahren und 14 Tagen zum jüngsten Zweitligaspieler der Geschichte. Das Konzept, das der verstorbene Hertha-Präsident Kay Bernstein ins Leben gerufen hatte, trifft damit durchaus auf einen Trainer, der Talente fördert und ihnen Einsatzzeiten verschafft. Genau das, was der Berliner Weg dringend benötigt.

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