Drei WM-Teilnahmen, dreimal persönliche Frustration: Die Karriere von Leon Goretzka hat einen großen Makel

Bild: Megan Briggs/Getty Images
Leon Goretzka wird auch bei seiner dritten Weltmeisterschaftsteilnahme mit Deutschland nicht glücklich.
Leon Goretzka zählt zu den beliebtesten deutschen Fußballprofis der vergangenen zehn Jahre. Mit Stationen beim VfL Bochum, Schalke 04 und dem FC Bayern hat Goretzka in der Bundesliga große Karriereschritte gemacht und zahlreiche Titel gewonnen, darunter sieben deutsche Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege sowie einmal die Champions League im verkürzten Corona-Modus.
Auf Nationalmannschaftsebene blieb Goretzka hingegen weitgehend erfolglos. Seine persönliche DFB-Geschichte enthält fast schon tragische Elemente. Zunächst begann es für den vielseitigen Mittelfeldspieler gut: Mit Deutschland gewann er 2017 den Confed-Cup und wurde daher auch für die WM 2018 nominiert. Dort wollte Deutschland, das zehn Jahre lang Spitzenfußball geboten hatte, den WM-Titel verteidigen.
Erste Einsatzminuten bei WM 2018
Doch es folgte die wohl größte Blamage der deutschen Fußballgeschichte mit dem erstmaligen Ausscheiden in der Vorrunde. Die Mannschaft war sportlich nicht mehr auf höchstem Niveau, zudem gab es verschiedene Gruppen im Team, die keinen Teamgeist zeigten. Eine Spaltung zwischen den Weltmeistern von 2014 und den Newcomern war erkennbar. So musste sich auch Goretzka im Mittelfeld hinten anstellen, bekam jedoch im dritten Gruppenspiel einen Startelfplatz. Diese Chance nutzte er nicht und wurde nach 63 Minuten ausgewechselt.
Die Zeit spielte jedoch für Goretzka. Joachim Löw trat 2021 zurück – und bei der WM 2022 hoffte man, dass Goretzkas Zeit kommen würde. Er befand sich auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit und war Champions-League-Sieger. Zudem trainierte das DFB-Team nun Hansi Flick, der ihn bereits beim FC Bayern stark gefördert hatte. Doch dann kam alles anders. Goretzka ist ein sehr politischer Mensch und zeigt gerne öffentlich Haltung. Sein Kommunikationsberater war gleichzeitig der Berater des damaligen Bundeskanzlers. Goretzka positionierte sich politisch und wollte offenbar auch einige Mitspieler von seiner Einstellung überzeugen. Das kam Im Team offenbar nicht immer gut an.
Sportlich folgte zudem eine große Enttäuschung. Zum Auftakt gegen Japan stand Goretzka nicht in der Startelf. Das DFB-Team ging mit 1:0 in Führung und schien alles unter Kontrolle zu haben. Hansi Flick entschied sich dann für einige Teamharmonie-Wechsel und brachte Goretzka 23 Minuten vor Spielende. Doch Goretzka spielte schwach, ihm fehlte die Einstellung, und er war leider daran beteiligt, dass das Spiel noch 1:2 verloren ging.
Die öffentliche Kritik an seiner Leistung wurde lauter, doch Flick schenkte ihm in den beiden weiteren Partien einen Startplatz. Im dritten Spiel verletzte sich Goretzka und musste zur Pause ausgewechselt werden. Deutschland verpasste ohnehin die Qualifikation für die K.o.-Runde. So wurde auch die zweite WM für Goretzka zum Flop.
Wechselbad der Gefühle mit Nagelsmann
Dann erlebte Goretzka ein Wechselbad der Gefühle. Mit Julian Nagelsmann verstand er sich beim FC Bayern prächtig, doch der Bundestrainer nominierte ihn nicht für die Heim-EM 2024. Danach wurde er in der WM-Qualifikation wieder Stammspieler und erhielt vom Bundestrainer quasi eine Stammplatzgarantie, bevor er zur WM 2026 erneut zum Ersatzspieler degradiert wurde.
17 Minuten gegen Curacao, fünf Minuten gegen die Elfenbeinküste und keine Einsatzminuten gegen Ecuador lautete seine Bilanz in der Gruppenphase. Doch die WM war noch nicht vorbei. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay lag das DFB-Team zur Pause 0:1 zurück, woraufhin Nagelsmann Goretzka einwechselte. Der 31-Jährige brachte etwas mehr Stabilität ins deutsche Mittelfeld, ohne jedoch zu glänzen.
Goretzkas großer Moment hätte jedoch auch zu einem anderen Zeitpunkt kommen können. Beim Elfmeterschießen wurden händeringend Schützen gesucht. Goretzka, torgefährlicher Mittelfeldspieler, erfahren, erfolgreich und Führungspersönlichkeit, wäre prädestiniert dafür gewesen. Doch in den Top fünf fehlte er – und als ihn Joshua Kimmich fragte, ob er als sechster Schütze antreten wolle, zögerte er.
Das ärgerte Jonathan Tah so sehr, dass der Abwehrspieler ohne jegliche Erfahrung bei Elfmetern die Verantwortung übernahm. Letztlich verschoss Tah, Deutschland schied aus – und Goretzka konnte mit seinen WM-Teilnahmen keinen Frieden schließen. Wahrscheinlich wird er sich noch lange fragen: Was wäre gewesen, wenn ich bei der WM 2026 zum Elfmeter angetreten wäre…
So hat die Karriere von Goretzka einen großen WM-Makel.