DFB steht vor einem Scherbenhaufen: Nichts darf beim Alten bleiben

Bild: Alex Grimm/Getty Images
Das frühe Ausscheiden bei der WM 2026 ist ein Schock für den deutschen Fußball. Nun muss jeder Stein umgedreht werden, um Veränderungen herbeizuführen.
Deutschland hat sich im Sechzehntelfinale der WM 2026 gegen Paraguay blamiert und ist nach Elfmeterschießen ausgeschieden. Dass Trainer Julian Nagelsmann für dieses Debakel Verantwortung trägt, steht außer Zweifel. Allerdings ist Nagelsmann nicht der alleinige Sündenbock. Viele Faktoren haben zu dieser deutschen Fußball-Katastrophe beigetragen. Es gilt, jeden Stein umzudrehen und dort, wo es nötig ist, Konsequenzen zu ziehen. Frühes-Tor.de nennt die wichtigsten Bereiche und Personen:
Nagelsmann muss zurücktreten
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat es im Kern nicht geschafft, eine funktionierende Mannschaft aufzubauen. Er hatte dafür genug Zeit und Vertrauen erhalten. Die Heim-EM 2024 war eine ideale Basis, das Team zu entwickeln. Leider hat er in der Kernkompetenz eines Trainers versagt und ist nicht mehr tragbar (ausführliche Analyse). Sein Rücktritt dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, eine Weiterbeschäftigung ist unzumutbar.
Sportdirektor Rudi Völler ist die wohl größte lebende deutsche Fußball-Autorität neben Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Völler hat es zwar clever geschafft, zu Beginn der WM 2026 Kritiker wie Jürgen Klopp und Thomas Müller einzufangen. Leider ist ihm für das Projekt WM 2026 dagegen wenig gelungen. Er hat Julian Nagelsmann, dessen Vorgesetzter er ist, zu viele Fehler zugestanden und zugleich der deutschen Öffentlichkeit versichert, dass alles in guten Bahnen verläuft („super Training“, „super Teamgeist“). Die Frage ist nun, ob Völler auch mit dem wohl künftigen Bundestrainer Jürgen Klopp gut auskommt. Ansonsten wäre auch seine Position infrage zu stellen.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf kommt aus der Politik. Er kümmert sich vor allem um repräsentative Aufgaben. Sportliche Belange überlässt er Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig. Früher haben sich DFB-Bosse noch mehr in sportliche Belange eingemischt. Zumeist hatten sie eine Karriere im Amateur- oder Profi-Fußball durchlaufen und verstanden sehr gut, wenn etwas diametral schieflief. Neuendorf fehlt der Sachverstand für den Fußball, auch bei der FIFA tut er sich mit einer guten Positionierung Deutschlands schwer. Die Frage lautet, ob Deutschland künftig eher eine Fußball-Legende an der Spitze des DFB braucht.
Die deutschen Nationalspieler tragen aber natürlich eine Kernverantwortung für das frühe Ausscheiden bei der WM 2026. Wie Magenta-TV-Experte Mats Hummels bereits forderte: Bei einigen Spielern über 30 Jahren muss die Frage nach einem Rücktritt gestellt werden. Auch müssen deutsche Talente besser in das DFB-Team integriert werden, und das Leistungsprinzip muss wieder im Mittelpunkt stehen. Zudem ist zu prüfen, ob die Hierarchie der Mannschaft nochmals geändert werden muss, angefangen bei Kapitän Joshua Kimmich.
Auch der DFB-Staff trägt Verantwortung
Auch der DFB-Staff muss hinterfragt werden. Die schweren Verletzungen von Lennart Karl und Nico Schlotterbeck hätten verhindert werden müssen. Wer war medizinisch für die Belastungssteuerung verantwortlich? Ebenso ist das Presse- und Medienteam mit Vorsicht zu betrachten. Bis zuletzt suggerierte es der deutschen Öffentlichkeit eine gute Stimmung im Team. Das war nicht ehrlich. Dieses Verhalten trägt dazu bei, dass Fußball-Deutschland so schockiert über das Ausscheiden ist. Wenn alles wirklich so gut und harmonisch im DFB-Camp verlaufen wäre, hätte es nicht zu dieser Blamage kommen können.
Auch das Co-Trainer-Team von Nagelsmann, eine vertraute, aber unerfahrene Gruppe aus Hoffenheimer Zeiten, sowie der ineffizient arbeitende Standardtrainer Mads Buttgereit müssen einer kritischen Prüfung unterzogen werden.
Es gibt also viel zu tun in den kommenden Tagen und Wochen für Fußball-Deutschland.