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Klassiker verpfiffen: Wann kehrt das Leistungsprinzip für Schiris zurück?

Bild: Adam Pretty/Getty Images

Tobias Stieler war dem Klassiker zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund kaum gewachsen. Deutschlands Top-Schiedsrichter haben ein nachhaltiges Problem.

Schiedsrichter ist ein schwerer Job. Im Amateur- und Jugendbereich sind Schiedsrichter nahezu ohne Schutz großen Gefahren ausgesetzt und bekommen dafür kaum Geld. Auf Top-Ebene hat sich dagegen viel geändert. Deutschlands beste Schiedsrichter sind nahezu alle Einkommensmillionäre, obwohl sie diesen Job nicht hauptberuflich ausführen. Sie besitzen viel Komfort und viel Schutz, auch wenn der mentale Druck ohne Frage enorm ist.

Regionalproporz spielt bei Schiedsrichtern große Rolle

Das eigentliche Problem am deutschen Schiedsrichterwesen ist schon länger bekannt: Über Seilschaften und Regionalproporz pfeifen zum Großteil nicht die besten Schiedsrichter in der Bundesliga, sondern diejenigen, die auf diplomatischer Ebene gute Skills mitbringen. Und sind die Unparteiischen erst mal im Elitezirkel angekommen, fallen sie selten wieder aus dem Kreis heraus. Leistungsprinzip ade!

Natürlich erschweren auch das immer schneller werdende Fußballspiel, das Kompetenzgerangel mit dem VAR, viel zu theoretisch vorgegebene Regeln der FIFA und anonyme Kritik via Social Media die Arbeit der Referees. Dennoch: Was Deutschland an Top-Schiedsrichtern aufbietet, ist besorgniserregend.

Das kann man auch daran ablesen, dass nur ganz selten ein Schiedsrichter eine einwandfreie Leistung im Klassiker auf den Platz bringt. Am Samstag schickte der DFB als Ersatz für den ausgefallenen Daniel Siebert einen seiner schwächsten Referees nach München: Tobias Stieler.

Mit 45 Jahren geht Stieler auf die sportliche Rente zu, er ist nicht mal mehr auf der FIFA-Liste. Sprich: ein Auslaufmodell. Stieler hat in seiner Karriere weder bei einer EM noch bei einer WM gepfiffen. Und in der Champions League waren von 23 Einsätzen 22 in der Gruppenphase, dazu kam ein Achtelfinale.

Stieler hat im Rahmen seiner Fähigkeiten alles aus seiner Karriere herausgeholt, dafür gilt es Respekt zu zeigen, aber für das wichtigste Spiel im deutschen Fußball reicht die Qualifikation längst nicht aus. Hat Stieler den Klassiker zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund nun verpfiffen? Er hat das Spiel in jedem Fall sehr unruhig gemacht, weil er unsicher wirkte. Selbst einfachste Entscheidungen missglückten oder er brauchte Hilfe dazu. Diese Unsicherheit überträgt sich bekanntermaßen auf den Platz.

VAR musste Stieler helfen

Das vermeintliche 1:0 der Dortmunder wurde nach VAR-Eingriff aberkannt. Doch was war daran nicht gleich auf dem Platz zu erkennen: Dortmunds Carney Chukwuemeka stand klar im Abseits und sprang Torwart Jonas Urbig mit den Knien voran noch ins Gesicht. Das hätte auch noch eine Verwarnung zur Folge haben müssen.

Kurz darauf waren die Dortmunder noch unkonzentriert und die Münchner erzielten das 1:0. Allerdings gab es zuvor ein Handspiel von Joshua Kimmich im Mittelfeld. Das hätte geahndet werden müssen, statt Vorteil für Dortmund zu geben. Denn aus dem Vorteil der Dortmunder wurde dann ein Fehlpass.

Stieler lag auch bei einfachsten Eckbällen falsch, etwa als ein Distanzschuss von Harry Kane abgefälscht wurde. Statt Ecke für den FC Bayern gab es Abstoß für Dortmund. Auch beim Elfmeter für den FC Bayern nach einem klaren Handspiel von Felix Nmecha brauchte Stieler mehrere Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen. Das hatte nichts mit Souveränität zu tun.

Da der Klassiker mit 2:2 endete, steht Stieler nicht im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Dennoch war das eine schwache Leistung des Schiedsrichters. Wenn der DFB keinen besseren Schiedsrichter für einen Klassiker zu bieten hat – auch als Ersatz für den ausgefallenen Daniel Siebert –, ist es um die Zukunft der Unparteiischen schlecht bestellt.

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