DFB-TeamWM 2026

Wenige Profis spielen im Ausland: Hat DFB-Team einen Nachteil bei der WM?

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

Deutschland reist mit zahlreichen Spielern aus der Bundesliga zur WM. Fehlt Erfahrung aus Europas Top-Ligen?

Ist es sportlich eher positiv oder negativ zu bewerten, wenn ein Nationalteam fast ausschließlich auf Spieler aus der heimischen Liga zurückgreift? Darüber lässt sich sicherlich diskutieren – und es kommt ganz sicher auf den Einzelfall an. Ein Blick auf die Top-Teams bei der WM:

Im Kader der Engländer zum Beispiel spielen „nur“ 19,2 Prozent der Spieler nicht in der Premier League, darunter Kapitän Harry Kane vom FC Bayern und Jude Bellingham von Real Madrid. Der niedrige Wert, errechnet von transfermarkt.de, ist relativ logisch: Die Premier League gilt als die beste Liga der Welt – und gutes Geld wird auf der Insel auch noch bezahlt. Dass also nicht so viele Spieler Einflüsse aus anderen Top-Ligen mitbringen, ist tendenziell kein Nachteil.

Brasilien, Argentinien und Frankreich mit hohem Legionärsanteil

Das Gegenteil zu den Engländern sind Brasilianer (73,1 %), Argentinier (92 %) und Franzosen (73,1 %). Auch hier ist alles nachvollziehbar: Die besten Spieler gehen in die sportlich wie finanziell besten Ligen der Welt, also vor allem England und Spanien. Zumal sich die Südamerikaner sprachlich und kulturell auf der iberischen Halbinsel gut akklimatisieren können.

Ein Blick auf die Spanier: Sie haben einen Legionärsanteil von 34,6 %. In der heimischen Liga ist vor allem der FC Barcelona Zulieferer für den Europameister, Real Madrid steht dieses Mal außen vor. Zu viele internationale Top-Spieler und nur wenige spanische Profis haben zu dieser besonderen Konstellation geführt. Da nach dem Top-Trio Barça, Real und Atlético aber auch eine Kluft in LaLiga besteht, gehen ein Drittel der Nationalspieler ins Ausland, vor allem nach England.

Bayern-Block dominiert DFB-Team

Nun zu Deutschland. Die Nationalmannschaft liegt vom Wert her eher bei England. Der Legionärsanteil beträgt „nur“ 26,9 % beim DFB-Team. Immerhin ist ein gewisser Einfluss von internationalen Top-Ligen gegeben. Kai Havertz spielt bei Arsenal, Antonio Rüdiger bei Real Madrid. Die Bundesliga ist dabei extrem differenziert zu betrachten: Der FC Bayern sammelt zahlreiche Nationalspieler ein, die sich auf Top-Niveau beweisen können.

Viele andere Spieler aus der Bundesliga sind für ein großes Top-Team in Europa aber noch nicht bereit. Hinzu kommen Spieler, die zwar erste Erfahrungen im Ausland gesammelt haben, aber nur Ergänzungsspieler waren, wie Nick Woltemade bei Newcastle United. Ähnliches könnte man sogar von Leroy Sané behaupten bei Galatasaray Istanbul, er hat aber schon für den FC Bayern und Manchester City gespielt.

Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt also vor allem auf einen Bayern-Block – und da es sonst nicht so viele deutsche Topspieler im Ausland gibt wie etwa bei den Franzosen, greift er eben auf die besten Bundesligaspieler zurück. Die erste Elf ist auf jeden Fall konkurrenzfähig, danach wird es in der Kaderbreite schon schwieriger. Ob fehlende internationale Klasse in der Kaderbreite aber wirklich ein entscheidendes Kriterium für den WM-Titel ist, kann man erst nach dem Turnier beurteilen.

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