Überteuerte Tickets, aber trotzdem volle WM-Stadien? Die FIFA setzt auf zwei Erfolgsfaktoren

Bild: Michael Reaves/Getty Images
Die FIFA darf feiern: Trotz teurer Tickets sind die WM-Stadien voll. Zwei taktische Züge bringen den Erfolg.
Die FIFA wird wegen der hohen Ticketpreise bei der WM 2026 kritisiert und beschimpft. Manche oberflächliche, politisch motivierte Argumentation verfehlt ihr Ziel. Auch die zweifelhafte Suche nach ein paar leeren Plätzen bei mancher Low-Level-Begegnung der WM 2026 hat wenig mit klassischer Berichterstattung zu tun.
FIFA weicht Grundsatz auf
Im Kern ist dennoch ein großer Vorwurf an die FIFA zu richten: Fußball hat sich einst für alle gesellschaftlichen Gruppen, Nationen und Religionen im Ansehen von ganz unten nach ganz oben gekämpft. Deshalb soll Fußball stets für alle Menschen bezahlbar bleiben. Diesen Grundsatz weicht die FIFA, zumindest für die WM 2026, auf. Der Weltverband geht aber trotzdem wirtschaftlich sehr klug vor.
Die FIFA hat sich einfach das nordamerikanische System dynamischer Preise zu eigen gemacht. Bei allen Top-Sportarten in den USA bestimmt die (hohe) Nachfrage den Preis. Für den gewöhnlichen Amerikaner und Sportfan sind also teure Tickets, also mehrere tausend Euro beziehungsweise Dollar, im Allgemeinen kein großer Aufreger.
Der zweite wichtige Punkt: Die USA sind ein Einwanderungsland. Von nahezu jeder Nation gibt es Zehntausende Menschen, die in den USA (oder auch Kanada und Mexiko) leben oder zumindest nicht weit haben, um zu einem Spielort der WM 2026 zu gelangen.
Die FIFA freut sich somit über volle bis nahezu volle Stadien, weil sie hauptsächlich auf zwei Faktoren gesetzt hat:
Das dynamische Preissystem ist in den USA Alltag, besitzt also eine gewisse Akzeptanz – und nahezu jeder WM-Starter braucht deshalb nicht seine Fans aus der Heimat einreisen lassen, die Supporter sind vom Potenzial her schon in den USA beziehungsweise Kanada und Mexiko ansässig.
Der nächste Schachzug der FIFA ist zudem ganz simpel: Der Gewinn aus den deutlich höheren Einnahmen bei den Tickets wird an die FIFA-Mitgliedsverbände verteilt, um den Fußball weltweit weiterzuentwickeln. So verbucht die FIFA mit den Tickets einen großen Erfolg und kann die Europäer, darunter Uli Hoeneß, weiter schimpfen lassen.