Mourinhos Luxusproblem: Reals neuer Joker stellt die Hierarchie auf den Kopf

Bild: David Ramos/Getty Images
Carlos Espí hat Real Madrid bei seinem Ligadebüt spät zum Sieg geschossen. Nun muss José Mourinho schneller als gedacht einen Platz für seinen neuen Mittelstürmer finden.
Eigentlich war der 21-Jährige zunächst als zusätzliche Option für den Angriff eingeplant. Sein Einstand gegen Espanyol könnte die Hierarchie jedoch früh ins Wanken bringen. Espí brachte genau das Element ins Spiel, das Real zuvor gefehlt hatte: Präsenz im Strafraum, einen festen Zielspieler und den entschlossenen Weg zum Tor. Dauerhaft auf der Bank lässt sich ein solcher Angreifer nur schwer erklären.
Ein Treffer mit Folgen
Espí benötigte nur wenige Minuten, um seine Qualitäten zu zeigen. Während sich Reals prominente Offensive lange schwertat, war der Neuzugang in der entscheidenden Szene zur Stelle. Statt eines ernüchternden Unentschiedens stand am Ende ein gelungener Start für Mourinho.
Damit hat sich der Stürmer allerdings sofort selbst zum Thema gemacht. Auch bei Cadena SER wird sein Transfer bereits als Volltreffer bewertet. Gleichzeitig dürfte es für ihn schwierig werden, regelmäßig zu spielen.
Vinícius Junior und Kylian Mbappé gehören zu den Spielern, die ein Trainer in engen Begegnungen nur ungern vom Platz nimmt. Genau diese Zurückhaltung könnte Mourinho zum Problem werden. Espí ist kein weiterer dribbelstarker Außenstürmer, sondern bietet Real etwas, das im Kader sonst kaum vorhanden ist.
Mourinho muss seine Stars bewegen
Die einfachste Lösung wäre, Espí weiterhin als Joker zu bringen. Auf Dauer dürfte ihm diese Rolle aber kaum reichen, wenn er seine Chancen nutzt. Dann müsste Mourinho entweder einen seiner Stars häufiger herausnehmen oder sein System so verändern, dass ein klassischer Mittelstürmer von Beginn an hineinpasst.
Das könnte auch Mbappé betreffen. Der Franzose hätte mit Espí neben oder vor sich mehr Freiheit, müsste dafür aber häufiger auf den Flügel oder in eine zurückgezogene Position ausweichen. Für Vinícius würde der Platz ebenfalls enger werden. Aus dem vermeintlichen Ergänzungsspieler könnte damit schnell ein Mann werden, der Mourinho zu unbequemen Entscheidungen zwingt.
Bernardo Silva wird zum Schlüssel
Ob das funktioniert, hängt allerdings auch vom Mittelfeld ab. Federico Valverde und Bernardo Silva kontrollierten gegen Espanyol zwar über weite Strecken den Ball, entwickelten daraus aber zu wenig Gefahr. Real kam in den Strafraum, brachte den Gegner jedoch nur selten durch überraschende Aktionen aus der Ordnung.
Vor allem Bernardo muss das Spiel stärker an sich ziehen. Bernabéu Digital fordert vom Portugiesen mehr Ballkontakte, Ruhe und Kreativität zwischen den Linien. Genau davon würde auch Espí profitieren. Mourinhos erste größere Aufgabe besteht deshalb nicht nur darin, seinem neuen Stürmer einen Platz zu verschaffen. Er muss gleichzeitig ein Mittelfeld bauen, das dessen Stärken überhaupt zur Geltung bringt.