„Verleumdungskampagne“: FIFA attackiert die UEFA!

Bild: Andrew Harnik/Getty Images
Der Machtkampf zwischen der FIFA und der UEFA spitzt sich weiter zu. Nachdem der europäische Fußballverband in den USA die Herausgabe von Dokumenten beantragt hatte, reagierte die FIFA nun mit einem scharfen Gegenangriff.
In einem Gerichtsschreiben wirft der Weltverband der UEFA eine gezielte „Verleumdungskampagne“ gegen die FIFA und ihren Präsidenten Gianni Infantino vor. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die inzwischen aufgegebene FIFA Forward Enterprise.
UEFA erwägt Vorgehen gegen Infantino
Über diese Gesellschaft sollten kommerzielle Rechte an den Weltmeisterschaften der Männer und Frauen gebündelt und teilweise für private Investoren geöffnet werden. Das Unternehmen sollte laut Sky News mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet werden. Bereits ab Oktober wollte die FIFA demnach bis zu 4,2 Milliarden Dollar von privaten Geldgebern einnehmen.
Die UEFA wirft der FIFA vor, die Pläne ohne eine ausreichende Beteiligung der zuständigen Gremien und der 211 Mitgliedsverbände entwickelt zu haben. Ende August wandte sie sich deshalb an US-Gerichte, um Aussagen und Dokumente für mögliche strafrechtliche Schritte in der Schweiz zu erhalten.
Die FIFA beantragte daraufhin, eine Entscheidung über das Gesuch aufzuschieben oder dem Weltverband zumindest die Möglichkeit zu einer ausführlichen Erwiderung einzuräumen. Laut dem von Reuters eingesehenen Schreiben seien die Anträge der UEFA „kaum mehr als Pressemitteilungen“, die deren „Verleumdungskampagne gegen die FIFA und ihre Führung“ unterstützen sollten.
Darüber hinaus bestreitet die FIFA, dass überhaupt ein konkretes Strafverfahren in der Schweiz existiert. Die UEFA könne ein solches nach Auffassung der Anwälte des Weltverbandes zudem nicht selbst einleiten.
FIFA unterstellt UEFA wirtschaftliche Motive
Die FIFA geht in ihrer Reaktion noch weiter. Dem Gerichtsschreiben zufolge habe die UEFA die Investorenpläne aus wirtschaftlichem Eigeninteresse bekämpft. Der europäische Verband wolle verhindern, dass kleinere Fußballnationen finanziell gestärkt werden und dadurch die internationale Konkurrenz für Europas führende Länder und Wettbewerbe zunimmt.
Das umstrittene Vorhaben wurde am 31. Juli nach erheblichem Widerstand der UEFA und weiterer Kontinentalverbände zurückgezogen. Beendet ist der Streit damit jedoch nicht. Infantino steht inzwischen auch beim asiatischen Verband AFC und beim nord- und mittelamerikanischen Verband CONCACAF unter Druck.
Im März 2027 will der FIFA-Präsident für eine weitere Amtszeit kandidieren. Die UEFA kündigte bereits an, auf institutionellem, politischem und rechtlichem Weg Reformen sowie neue Grenzen für die Macht des Präsidenten anzustreben. Mit dem Vorwurf einer „Verleumdungskampagne“ ist aus dem internen Konflikt nun endgültig ein offener Machtkampf geworden.