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„Junger BVB“: Geht diese PR-Nummer gegen den FC Bayern schon wieder los?

Bild: Alex Grimm/Getty Images

Im BVB-Kosmos strickt man offenbar wieder an der Legende, dass Borussia Dortmund eine junge, hungrige Mannschaft habe. Diese PR-Nummer war einst gegen den etablierten FC Bayern gerichtet. Faktisch stimmte sie selten.

Legende Kevin Großkreutz war zu Gast im DAZN-Format „Never Talk Alone“. Sehr schnell ging es in dem Talk um ein neues, altes Label für Borussia Dortmund: Die Mannschaft des BVB sei „jung und wild“. Wirklich?

Im ersten Moment ist es eine irritierende Aussage, zumindest wenn man nicht aus dem BVB-Kosmos stammt. Denn zuletzt war der BVB eher mit einer Seniorentruppe auf dem Feld unterwegs, zumal bekannt ist, dass Trainer Niko Kovac auch gerne mit erfahrenen Spielern arbeitet.

Zugänge sind fast alle unter 20 Jahre alt

Tatsächlich gibt es aber einen kleinen Wandel bei Borussia Dortmund: Denn nahezu alle Zugänge sind unter 20 Jahre alt. Nur Joey Veerman (27) und Giannis Konstantelias (23) sind über 20 Jahre alt. Der BVB hat sich also unter dem neuen Manager Ole Book eine Verjüngungskur verordnet. Aber stopp!

Fast alle neuen Talente werden keine Stammspieler sein. Die Top-Elf des BVB wird weiter fast nur aus Spielern über 25 Jahren bestehen, sofern die Profis fit sind. Dazu gehören die acht Profis Gregor Kobel (28), Nico Schlotterbeck (26), Waldemar Anton (30), Ramy Bensebaini (31), Emre Can (32), Julian Ryerson (28), Felix Nmecha (wird 26 im Oktober) und Serhou Guirassy (30).

Vor allem in den 2010er-Jahren beförderte der BVB-Kosmos, womit u. a. Spieler, Funktionäre, Trainer und auch dem Klub nahestehende Berichterstatter gemeint sind, das Titelduell mit dem FC Bayern gerne als Jung gegen Alt. Es stimmte aber faktisch selten.

In den späten 2010er-Jahren pickte man sich dann eben die wenigen jungen Spieler wie Jadon Sancho auf dem Feld heraus, um die Polarisierung auch bei diesem Thema hochzuhalten. Teilweise wurde es auch absurd: Weil Trainer Thomas Tuchel zahlreiche seiner Stammspieler im Training verheizte, musste er zeitweise die Mannschaft um A-Jugendspieler ergänzen. Dann war der BVB natürlich wieder „jung“, aber das war nicht der geplante Alltag.

Bayern und Dortmund haben einen guten Mittelwert

Faktisch bleibt es auch in dieser Saison dabei: Der FC Bayern und Borussia Dortmund gehören zu den Top-Mannschaften in Deutschland und Europa. Dazu braucht man eine gefestigte Mannschaft, zu der wiederum erfahrene und gut bezahlte Spieler gehören. Das trifft auf beide Teams zu.

Dass sich der BVB in der Kaderbreite verjüngt hat, ist nicht abzustreiten, aber von einer „jungen, wilden“ BVB-Mannschaft auf dem Feld ist man noch ein paar Entwicklungsschritte entfernt.

Die PR-Nummer des BVB-Kosmos rollt aber trotzdem wieder an, denn für das Image lässt sich dies natürlich besser vermarkten – auch hinsichtlich der Polarisierung gegen den mit großen Stars etablierten FC Bayern.

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