„Äpfel mit Birnen verglichen“: Nur Frankfurt gibt Bayern recht – Vereine reagieren auf Reise-Vorwurf

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images for DFB
Der FC Bayern hat der Bundesliga-Konkurrenz vorgeworfen, zu wenig für die internationale Vermarktung zu unternehmen. Mehrere Klubs weisen die pauschale Kritik nun zurück. Unterstützung erhalten die Münchner dagegen aus Frankfurt.
Zum Abschluss der Asienreise hatten Bayern-Präsident Herbert Hainer und Marketingvorstand Rouven Kasper mehr Engagement von den übrigen Bundesligisten gefordert. Der deutsche Rekordmeister dürfe bei der Internationalisierung der Liga nicht allein den Wagen ziehen. Der kicker hörte sich daraufhin bei mehreren Vereinen um. Die Reaktionen zeigen, dass die Voraussetzungen für internationale Marketingreisen innerhalb der Bundesliga sehr unterschiedlich bewertet werden.
Werder weist Bayern-Vergleich zurück
Werder Bremen verwies auf die fehlende Planungssicherheit unmittelbar nach einer Saison. Gerade vor einer neuen Spielzeit sei eine solche Reise für einen Trainer und einen veränderten Kader eine zusätzliche Belastung.
Hinzu kämen die finanziellen Unterschiede. Während international bekannte Klubs durch ihre Sponsorenverträge und gut gefüllte Stadien teilweise Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe erzielen könnten, sei eine Auslandsreise für kleinere Vereine kein vergleichbares Geschäft. Die Verantwortlichen der Bremer sehen in der Argumentation der Bayern deshalb einen Vergleich von „Äpfeln mit Birnen“.
Gladbach erwägt Reise nach Japan
Borussia Mönchengladbachs Sportchef Rouven Schröder verstand die Aussagen der Münchner weniger als Kritik und mehr als Aufforderung. Grundsätzlich könne sich die Borussia mit einer Auslandsreise beschäftigen.
Eine Möglichkeit bietet die Zusammenarbeit mit dem japanischen Kooperationspartner Kashima Antlers. In diesem Sommer hätten die Rahmenbedingungen allerdings nicht gepasst. Für Schröder dürfe die sportliche Vorbereitung nicht hinter kommerziellen Interessen zurückstehen.
Auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro fühlt sich von den Vorwürfen nicht angesprochen. Die Werkself betreibt unter anderem Fußballakademien in São Paulo und absolvierte bereits ein Trainingslager in Rio de Janeiro. Reisen seien für Bayer nur sinnvoll, wenn sie sportlich, strategisch und wirtschaftlich verantwortbar seien, erklärte Carro bereits im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Frankfurt gibt den Bayern recht
Unterstützung bekommen die Münchner von Eintracht Frankfurt. Vorstandssprecher Axel Hellmann bezeichnete die Kritik als berechtigt. Die Bundesligisten müssten durch Auslandsreisen mehr zur internationalen Vermarktung beitragen.
Frankfurt war in der Vergangenheit mehrfach in den USA und Japan unterwegs. In diesem Jahr verzichtete die Eintracht aus übergeordneten internen Gründen auf eine entsprechende Tour. Für 2027 sind jedoch wieder internationale Reisen vorgesehen.
Damit bleibt die Liga in der Frage recht gespalten. Während der FC Bayern und die Eintracht mehr gemeinsames Engagement fordern, lehnen andere Klubs vor allem den pauschalen Vorwurf mangelnder Initiative ab.