Nach Rückzieher von Infantino: Muss der FIFA-Boss nun um seinen Job fürchten?

Bild: Carl Recine/Getty Images
Muss Gianni Infantino um seinen Job fürchten? Nach dem gescheiterten FIFA-Plan wenden sich nun zwei enge Vertraute gegen den FIFA-Boss.
Gianni Infantino hat verloren, zumindest für den Moment. Nach massiver Kritik der Verbände und einer WM-Boykott-Drohung der UEFA hat die FIFA ihre Pläne, WM-Anteile gewinnbringend zu veräußern, in der Nacht offiziell aufgegeben. Muss FIFA-Boss Infantino jetzt um seinen Job fürchten?
„Gianni Infantino verwirft den Verkaufsplan, doch die Revolte innerhalb der FIFA lässt ernsthafte Zweifel an seinem Verbleib im Amt aufkommen“, schrieb die Times als Reaktion auf den Rückzug der FIFA. Erstmals hatten sich auch enge Vertraute gegen Gianni Infantino gestellt, der scheinbar keine Grenzen in seiner persönlichen Machtausübung beim Fußball-Weltverband kennt.
„Kann ich nicht tatenlos zusehen“
„Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußballfan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“, schrieb Infantinos-Berater Carlos Cordeiro in den sozialen Medien und betonte anschließend weiter:
„Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.“ Danach trat Cordeiro offiziell von seinem Amt als FIFA-Berater zurück. Mit Kritik blieb Cordeiro jedoch nicht allein.
„Es ist das Projekt einer Person“, schrieb der FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour laut der Nachrichtenagentur AP in einem offiziellen Schreiben. Lamour warf Infantino vor, seine Mitarbeitenden hintergangen zu haben. Besonders interessant: Potenzielle Konsequenzen seines Schreibens nahm der Betriebsdirektor mehr als in Kauf:
„Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so. Ich werde diese Entscheidung verstehen und respektieren. Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen.“ Ob Infantino aktuell nachts ruhig schlafen kann?
Wackelt die Neu-Wahl?
Nach der menschenrechtsverachtenden WM-Vergabe nach Katar und der mehr als fragwürdigen engen Zusammenarbeit mit Donald Trump scheint der 56-Jährige den Bogen nun vielleicht wirklich überspannt zu haben.
Die nächsten Wahlen zum FIFA-Präsidenten sind für März 2027 geplant. Laut übereinstimmenden Medienberichten wähnte Infantino zuletzt fast alle stimmberechtigten Fußball-Verbände für eine Wiederwahl hinter sich. Das dürfte sich nun geändert haben. Zumal es vom nach Macht strebenden Infantino wohl nicht der letzte Versuch gewesen sein dürfte, die Kommerzialisierung der FIFA voranzutreiben.