DFB-Team hat die High-Speed-Ära im Top-Fußball verschlafen

Bild: Michael Reaves/Getty Images
Deutschland hat bei der WM 2026 zu wenig PS gehabt, um auf dem Spielfeld zu reüssieren.
Die Ära Julian Nagelsmann beim DFB ist vorbei, doch es gibt weiterhin zahlreiche Personalien und sportliche Themen zu klären. Ein besonders besorgniserregender Punkt für Deutschland ist das Thema Geschwindigkeit.
Kimmich tat sich gegen Diomande schwer
Viele Fans und Beobachter in Deutschland wurden erst bei der WM 2026 aufmerksam, als sie bemerkten, dass Kapitän Joshua Kimmich auf Top-Niveau eigentlich nicht mehr als rechter Außenverteidiger spielen kann. Ihm fehlt die Geschwindigkeit, um den schnellen Spitzenstürmern Paroli zu bieten.
Hinzu kommt, dass Kimmich bei Ballbesitz in die Mitte rückte. Wenn er also in die Defensive umschalten musste, benötigte er zusätzliche Zeit, um vom Zentrum auf die Außenbahn zu gelangen.
Das führte zu taktisch fast absurden Situationen. Julian Nagelsmann beorderte daher den rechten Flügelstürmer Leroy Sané eher in die Defensive, damit dieser mit seinem Tempo Kimmich unterstützt. Sané fehlte dann jedoch die Kraft und Energie, sich offensiv im Dribbling durchzusetzen – ebenso wie die letzte Konzentration beim Torabschluss.
37 km/h sind der neue Standard im Top-Fußball
Doch die Lage verbessert sich auch nicht, wenn man Sané betrachtet. Der Angreifer war bei der WM 2026 einer der schnellsten deutschen Spieler. Sein Top-Speed liegt bei etwas mehr als 36 km/h. Das ist zwar beachtlich, doch die besten Angreifer der Welt erreichen mittlerweile 37 km/h und mehr – und dribbeln dabei problemlos mit dem Ball.
Beispiele: Frankreich-Star Kylian Mbappé erreicht 38 km/h, der Portugiese Gabriel Silva sogar 40 km/h. Kanada-Kapitän Alphonso Davies, der beim FC Bayern vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert wurde, liegt bei über 37 km/h.
In der Abwehr hatte Deutschland mit Newcomer Nathaniel Brown einen Spieler mit Top-Speed, der auf dem Platz rund 36 km/h erreichen konnte. Oft wird der starke Wert von Antonio Rüdiger übersehen, der mehr als 36,5 km/h erreicht. Viele deutsche Abwehrspieler sind jedoch froh, wenn sie an die 35 km/h herankommen. Bezeichnend: Im Bundesliga-Speed-Ranking liegt mit Brown (11.) nur ein aktueller Nationalspieler unter den Top 20. Die Legionäre sind dabei nicht eingerechnet.
Deutschland hat es in den vergangenen Jahren versäumt, athletische und sprintstarke Spieler auszubilden. Vor allem auf den Außenbahnen mangelt es ohnehin an Qualität.
Für den Angriff gibt es in Deutschland dennoch Hoffnung: Auf der linken Seite könnte Kölns Said El Mala der Nationalmannschaft mit rund 36 km/h mehr Tempo verleihen. Zudem wurde bei der WM 2026 auf Dortmunds Karim Adeyemi verzichtet, der ebenfalls die 36-km/h-Marke überschreiten kann.
Für Mittelfeld und Abwehr wird es dagegen schwierig, die Mischung aus Qualität und Tempo zu finden. Wer jedoch wieder mit Top-Teams wie Frankreich mithalten will, muss das Tempo-Element ins Teamgefüge integrieren.