Kein Rücktritt? Die sieben kapitalen Fehler von Julian Nagelsmann

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images
Julian Nagelsmann hat schwere Fehler begangen. Auch deshalb ist Deutschland mal wieder früh bei einer Weltmeisterschaft ausgeschieden.
Deutschland scheidet gegen Paraguay im Sechzehntelfinale der WM 2026 aus. Die Fußballnation steht unter Schock. Wohl kein Spieler, Funktionär oder Berichterstatter hatte mit einem derart frühen und peinlichen Turnieraus des DFB-Teams gerechnet. Für diese deutsche Fußball-Katastrophe gibt es zahlreiche Gründe und Verantwortliche.
Eine wesentliche Schuld trägt aber natürlich Bundestrainer Julian Nagelsmann. Im Nachhinein sagt sich das für alle leichter, doch das frühe WM-Aus kam mit Ansage. Frühes-Tor.de nennt die sieben schwerwiegendsten Fehler von Nagelsmann:
1. Trainerteam
Auch die Zusammenstellung eines Trainerteams ist sehr wichtig für den Erfolg der Mannschaft. Nagelsmann fehlt Profi-Erfahrung als Spieler und eine lange Trainerkarriere auf Top-Niveau inklusive Titelgewinne. Das ist aber kein Showstopper, wenn man sein Trainerteam sinnvoll ergänzt. Im Sommer 2025 verließ jedoch Co-Trainer Sandro Wagner den DFB, womit Nagelsmann wichtige Komponenten verlor: Wagner spielte einst Champions League und Nationalmannschaft. Nagelsmann bekam für sein Trainerteam freie Hand. Wie bereits berichtet, holte sich der Bundestrainer einfach ein paar Weggefährten aus Hoffenheim mit ähnlichem Profil: Benjamin Glück, Benjamin Hübner und Alfred Schreuder. Eine vertraute Gruppe, allerdings ohne große Erfahrungswerte auf Top-Niveau – weder als Spieler noch als Trainer.
DFB-Team war nicht eingespielt
2. Fehlende Automatismen
Nagelsmann hätte auf Grundlage der EM 2024 eine Mannschaft entwickeln und aufbauen können. Tat er aber nicht. Er warf die Mannschaft immer wieder durch neue Nominierungen und Vorhaben durcheinander. FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß warnte, Nagelsmann habe es verpasst, die Mannschaft vor dem Turnier einspielen zu lassen. Bei der WM 2026 folgte die Konsequenz: Es war nur Stückwerk, was die DFB-Spieler boten. Einstudierte Spielzüge und Taktiken waren kaum zu erkennen. Bezeichnend: Nagelsmann betonte, die Mannschaft im dritten Gruppenspiel einspielen zu lassen.
3. Chaos bei Nominierungen:
Unter anderem Leon Goretzka, Nick Woltemade und Torwart Oliver Baumann waren während der WM-Quali Stammspieler. Sie wurden enorm von Nagelsmann gestärkt, doch dann folgte die Kehrtwende vor der WM: Goretzka und Woltemade mussten auf die Ersatzbank, Baumann musste im Tor Comebacker Manuel Neuer weichen. Im Frühjahr 2026 bekam Nagelsmann zudem eine Art Testwut. Er nominierte zahlreiche Spieler, die er zur WM 2026 gar nicht mitnahm, darunter Anton Stach und Chris Führich.
4. Rotationswirrwarr:
Auch bei der WM 2026 zog sich das Chaos durch. Es ist üblich, dass Top-Teams im dritten Turnierspiel, das meist keine Bedeutung mehr hat, ihre Mannschaft kräftig durchrotieren. So sammeln Reservisten Spielpraxis, Startelfspieler schonen Kräfte und der Teamgedanke wird hochgehalten. Nagelsmann tauschte jedoch nur zwei Positionen aufgrund von Verletzungen aus. Dafür begann er in der zweiten Halbzeit ziemlich chaotisch zu wechseln. Das Spiel gegen Ecuador ging 1:2 verloren, der WM-Hype um das DFB-Team begann zu bröckeln.
5. Despektierliche Kommunikation:
Über Monate redete Nagelsmann beispielsweise seinen formstärksten Stürmer Deniz Undav schlecht. Es ging so weit, dass er sogar Tore von Undav relativierte. „Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er ihn so reinmacht. Es war schon ein langer Schritt, der nach 70 Minuten – auch im Hinblick auf den Sommer bei 42 Grad – für ihn schwierig sein kann“, kommentierte Nagelsmann etwa ein Tor von Undav im Frühjahr 2026 gegen Ghana. Nun gegen Paraguay sollte Notnagel Undav plötzlich als Startelfspieler auf der Zehn alles richten. Bezeichnend auch: Noch am letzten Bundesliga-Spieltag äußerte Oliver Baumann, davon auszugehen, die Nummer eins im deutschen Tor zu sein. Nagelsmann hatte ihm seine Degradierung viel zu spät nahegebracht.
Zu lange an Sané und Co. festgehalten
6. Nibelungentreue zu schwachen Spielern:
Leroy Sané hatte als rechter Flügelstürmer offensiv nahezu keinen Einfluss auf das Spiel Deutschlands. Für Beobachter war das nicht verwunderlich, schließlich wird seit 15 Jahren beklagt, dass Sané nie sein Potenzial abrufe. Als aktueller Ersatzspieler von Galatasaray Istanbul muss das Niveau der deutschen Mannschaft schon erstaunlich schwach sein, dass Sané dennoch Stammspieler bei der WM 2026 war. Bei Jamal Musiala hoffte Nagelsmann, dass der Bayern-Star nach langer Verletzungspause noch in Form kommt. Doch eine WM ist kein Spielpraxis-Sammelturnier. Gegen Paraguay nahm Nagelsmann Musiala dann aus der Startelf. Aber für andere Spieler war es zu spät, auf dem Platz eine spielerische Harmonie aufzubauen. Auch Aleksandar Pavlovic wurde im Mittelfeld durch das Turnier geschleppt. Nagelsmann setzte das Leistungsprinzip außer Kraft.
7. Laufwahnsinn:
Vereinsmannschaften von Julian Nagelsmann zählten zu den lauf- und sprintstärksten Teams der Bundesliga. Dieses Element implementierte er auch in der Nationalmannschaft. Aber der Hauptspielort ist die USA bei teilweise Temperaturen von 40 Grad Celsius. Kein Top-Team kam auf die Idee, sich in der Vorrunde körperlich zu verausgaben und rund 119 Kilometer pro Partie zu laufen. Das nächste Top-Team, England, brachte es auf 113 Kilometer. Teams wie Spanien und Frankreich liefen noch weniger. Die Kräfte braucht es für die K.o.-Runde. So wirkte die deutsche Mannschaft schon in der Verlängerung gegen Paraguay müde und konnte zuvor gegen Ecuador in den Zweikämpfen nur wenig robust agieren.
Fazit: Wer sich diese kapitalen Fehler von Nagelsmann vor Augen führt, der weiß relativ schnell, dass der 38-Jährige auf der Trainerbank der deutschen Nationalmannschaft nichts mehr verloren hat.
Sehr gute Zusammenstellung der Fehlerquellen. Aus meiner Sicht könnte man beim DFB noch mehr Fehler finden. Neben Personalien müssten auch sämtliche Strukturen komplett neu aufgestellt werden, einen echten Neuanfang eben.