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Armseliges Journalisten-Bashing: Was ist das Ziel von Jürgen Klopp?

Bild: Alex Grimm/Getty Images

Jürgen Klopp haut einen Spruch gegen Sportjournalisten heraus. Zahlreiche Fans nutzen die Worte des Bundestrainers, um Berichterstatter anzugreifen. Was bezweckt Klopp damit?

Eine Passage auf der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft sorgte am Donnerstag vor allem in den Sozialen Medien für viel Zündstoff.

Klopp sprach mit Keidel über Leak

Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp verteilte nochmals einen Seitenhieb an Journalisten, die zuvor schon Nominierungen für den DFB-Kader veröffentlicht hatten. „Ich habe gestern nochmal mit Felix Keidel gesprochen“, berichtete Klopp über eine Sequenz mit dem SV-Elversberg-Profi und DFB-Neuling. Er habe ihn gefragt: „’Und, wie waren die letzten 16, 17 Stunden, nachdem das jemand geleakt hat?’“

Klopp schob dann ein, ihm selbst sei das „völlig wurscht, ob eine Nominierung frühzeitig herauskommt. Ich habe damit gar kein Problem.“ Jedoch: „Das ist einfach nur ein bisschen arm, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, dass du Dinge früher raushaust, als man sie eigentlich wissen müsste. Aber ist ja wurscht.“

Selbst unter den anwesenden Journalisten in Frankfurt war ein Geraune zu vernehmen. In der Folge bekam es auf den Sozialen Medien vor allem der deutsche Transferjournalist Florian Plettenberg ab, der durch die Klopp-Aussagen zahlreiche Anfeindungen und Beleidigungen einkassierte.

Wobei nicht nur Plettenberg, der für Sky arbeitet, Leaks veröffentlicht hatte, sondern auch Kollegen des kicker und der Bild, dazu noch verschiedene regionale Reporter.

Was Klopp auf dieser PK machte, war Journalisten-Bashing. Und es ist nicht das erste Mal, dass sich Klopp dieser Methode bedient. In der Politik würde Klopp mit dieser Methodik schwer verurteilt werden, im Fußball wird zum Großteil eher darüber hinweggesehen oder gelacht.

Klopp ist mit Kerner befreundet

Dabei ist Klopp sicherlich kein Journalistenfeind. Mit Johannes B. Kerner gehört ein Top-Journalist zu seinem gut ausgewählten Freundeskreis. Klopp arbeitete auch zuletzt als Experte für MagentaTV, er hat also keine grundsätzliche Abneigung gegen Medien und Journalisten.

Allerdings bedient sich Klopp im Laufe seiner Karriere immer wieder einer bestimmten Methodik: Wenn ihm Journalisten-Bashing nützlich erscheint, wendet er es an. Lange Zeit hatte er zum Beispiel mit dem FC Liverpool keine Titel gewonnen. Also begann Klopp, den Journalisten vorzuschreiben, sie sollten endlich aufhören zu schreiben, dass Liverpool keine Titel gewinnen könne. In dieser Phase erhöhte die Presse den Druck auf Klopp und die Spieler, weshalb er gegenhalten wollte.

Zweifelhaft legendär ist auch so manches Klopp-Interview aus seiner Zeit als Trainer bei Borussia Dortmund. Ein ARD-Journalist wurde zum Beispiel nach einer Dortmunder Niederlage als „Seuchenvogel“ gebrandmarkt.

Auch bei seinem Amtsantritt als DFB-Bundestrainer überraschte Klopp nun mit einer Drohung an die Journalisten. Wenn seine Familie und sein privates Umfeld nicht komplett in Ruhe gelassen würden, trete er als Bundestrainer sofort zurück.

Würden mehrere Journalisten schreiben, er sei nicht mehr der Richtige, trete er ab. Gleichzeitig verlangte er von den Berichterstattern, zum Erfolg der deutschen Nationalmannschaft beizutragen. Hier verwechselte Klopp offenbar Boulevardjournalisten und Fanboys mit Sportjournalisten. Der RND schrieb ihm daraufhin einen Nachhilfe-Artikel mit dem Titel: „Was Jürgen Klopp von den Medien erwarten kann – und was nicht“. Fun-Fact: Kurz danach gab es einen Bericht über die Familie Klopp im Magazin Bunte.

In Sachen Leaks über die DFB-Nominierungen macht es sich Klopp jedenfalls sehr bequem. Er verurteilt Journalisten, die einfach ihrem Job nachgehen, nämlich etwas früh zu erfahren und zu veröffentlichen. Damit lässt er auch die Tatsache weg, dass Journalisten an die Nominierungsinfo im Regelfall nur herankommen, wenn der Spieler selbst, Berater, Familienmitglieder oder ein Funktionär des Klubs die Info weitergeben. Der Leak geht also nicht vom Journalisten aus.

Der DFB kann seine Vorgehensweise ändern

Umgekehrt kann natürlich auch der DFB den Nominierungsvorgang anders handhaben, wie es manche anderen Nationen tun: Der Nationaltrainer verrät vorher keinem etwas, hält eine Pressekonferenz ab – und alle schauen zu, um zu wissen, wer nominiert ist.

Darüber hinaus hat Klopp seinen Freund und Manager Marc Kosicke mit zum DFB geholt. Kosicke ist extrem versiert im Umgang mit Medien; schließlich managte er zuvor nicht nur Trainer, sondern auch zahlreiche einflussreiche Journalisten. Kosicke dürfte sicher eine Idee haben, diese Leaks zu verhindern, wenn es Klopp so extrem wichtig ist.

Klopp hat am Donnerstag ohne Not Journalisten-Bashing betrieben – und das ist gefährlich. Die subtile Botschaft seiner Aussage war, dass Sportjournalisten unmoralisch handeln, dass sie in dieser Form einem unwürdigen Job nachgehen und sich gegen das Wohl des DFB-Teams und seiner Spieler stellen.

Das fördert die allgemeine Skepsis gegenüber professionellen Journalisten – und einige von ihnen, Stichwort Florian Plettenberg, haben es mit persönlichen Angriffen im Netz zu spüren bekommen. Um es in den Worten von Klopp auszudrücken: „Das ist einfach nur ein bisschen arm.“

Ein Kommentar zu „Armseliges Journalisten-Bashing: Was ist das Ziel von Jürgen Klopp?

  • Florian Schratzenstaller

    Er hat vollkommen recht. Der Artikel hier ist doch das der Beweis, dass er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Ihr „Journalisten“ verbreitet oft genug un- oder halbwahrheiten und sobald das angesprochen wird, ist das sofort journalisten-bashing? Schämen solltet ihr euch!

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