Herthas überraschender Reese-Effekt – jetzt übernehmen alle

Bild: Maja Hitij/Getty Images
Hertha BSC hat im Sommer seinen Kapitän, Topscorer und größten Unterschiedsspieler verloren. Dennoch ist von einem sportlichen Einbruch bislang nichts zu sehen.
Nach drei Siegen aus den ersten drei Ligaspielen stehen zehn Tore und Tabellenplatz zwei. Auch im DFB-Pokal setzte sich die Mannschaft durch. Auffällig ist dabei nicht nur der gelungene Saisonstart. Seit dem Wechsel von Fabian Reese zum VfL Wolfsburg verteilt sich die Verantwortung bei Hertha auf deutlich mehr Schultern.
Hertha wartet nicht mehr auf Reese
In den vergangenen Jahren war Reese häufig der Spieler, den seine Mitspieler in schwierigen Situationen suchten. Der Offensivspieler sollte über die linke Seite für den entscheidenden Durchbruch sorgen, Standards übernehmen oder die Mannschaft emotional mitziehen.
Das war angesichts seiner Qualität nachvollziehbar, schuf jedoch auch eine Abhängigkeit. Lief es bei einem Spieler nicht, blieb immer noch die Hoffnung, dass Reese die Partie mit einer Einzelaktion entscheidet. Diese Möglichkeit existiert nun nicht mehr.
Stattdessen müssen andere Spieler selbst Lösungen finden. Sebastian Grönning traf in den ersten beiden Ligaspielen. Marten Winkler erzielte gegen Heidenheim ein Tor und bereitete zwei weitere vor. Der neue Kapitän Josip Brekalo übernahm beim 5:3 in Braunschweig mit seinem Doppelpack Verantwortung. Auch Jon Dagur Thorsteinsson und Oluwaseun Adewumi trugen sich bereits in die Torschützenliste ein.
Reeses Abgang verändert die Hierarchie
Reese war bei Hertha nicht das Problem. Seine sportliche und emotionale Sonderstellung könnte aber dazu geführt haben, dass sich andere Spieler unbewusst hinter ihm versteckten. Sein Abgang hat diese Hierarchie aufgebrochen.
Plötzlich werden Akteure gebraucht, die zuvor nicht immer im Mittelpunkt standen. Bislang scheint ihnen diese Verantwortung gutzutun. Hertha wirkt variabler, weniger berechenbar und als Mannschaft geschlossener.
Ob das über eine gesamte Saison funktioniert, muss sich noch zeigen. Die ersten Spiele deuten jedoch an, dass der vermeintliche Ausverkauf auch eine reinigende Wirkung gehabt haben könnte. Hertha hat seinen besten Einzelspieler verloren – und dafür möglicherweise eine Mannschaft gewonnen.