„Wie Roboter“: Undav kritisiert den Datenwahn im Training

Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Deniz Undav sieht die zunehmende Bedeutung von Daten im Profifußball kritisch. Der Stürmer des VfB Stuttgart warnt besonders vor standardisierten Trainingsplänen.
Die moderne Analyse habe den Fußball zwar in vielen Bereichen verbessert. Nach Ansicht des Nationalspielers verlassen sich Trainer und Athletikteams mittlerweile aber zu stark auf Zahlen und festgelegte Programme. Die individuellen Voraussetzungen der Spieler würden dabei nicht immer ausreichend berücksichtigt.
Undav warnt vor Einheitsprogrammen
„Es wird mittlerweile zu viel ins Laptop geschaut“, kritisierte Undav im aktuellen Bundesliga-Magazin. Fußballer würden bei der Belastungssteuerung dadurch teilweise „zu sehr als Roboter betrachtet“. Der 30-Jährige stört sich vor allem daran, dass Spieler mit sehr unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen dasselbe Programm absolvieren sollen. Dabei müsse berücksichtigt werden, welche Trainingsformen ein Profi aus seiner bisherigen Karriere überhaupt gewohnt sei.
Undav führte dafür einen Spieler aus Brasilien als Beispiel an. Dieser habe in seiner Heimat möglicherweise noch nie bestimmte Übungen absolvieren müssen. Werde er nach seinem Wechsel nach Europa direkt in ein völlig neues Standardprogramm gesteckt, könne das nach Ansicht des Angreifers sogar Verletzungen begünstigen. Daten und medizinische Werte dürften deshalb nicht die einzige Grundlage der Trainingssteuerung bilden. Undav fordert, stärker auf die bisherigen Erfahrungen, Gewohnheiten und Rückmeldungen des einzelnen Spielers zu achten.
Keine Kritik am VfB Stuttgart
Seine Aussagen möchte der Nationalspieler ausdrücklich nicht als Angriff auf den VfB verstanden wissen. In Stuttgart werde auf die individuellen Bedürfnisse der Profis eingegangen. Als Beispiel nannte Undav unter anderem seine Ernährung.
Die Kritik des Angreifers richtet sich damit gegen eine allgemeine Entwicklung im modernen Profifußball. Durch immer genauere Leistungsdaten können Trainer die Belastung zwar besser kontrollieren. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass Spieler nur noch anhand ihrer gemessenen Werte beurteilt werden.