Ein Tor in 300 Minuten: Lautern fehlt mehr als nur Prtajin

Bild: Selim Sudheimer/Getty Images
Der 1. FC Kaiserslautern hat in seinen ersten drei Pflichtspielen nur einmal getroffen. Ohne Ivan Prtajin fehlt der Mannschaft vor allem eine verlässliche Besetzung im Strafraum.
Nach den beiden torlosen Ligaspielen gegen Wolfsburg und Karlsruhe benötigte der FCK auch im Pokal gegen Waldhof Mannheim fast zwei Stunden für ein Tor. Erst Ibrahim Kanaté verhinderte in der 120. Minute das Elfmeterschießen. Die Defensive steht, doch im Angriff kommt Kaiserslautern bislang nur selten in wirklich gute Abschlusspositionen.
Dreimal stabil, dreimal kaum Durchschlagskraft
Beim 0:0 in Wolfsburg durfte Lautern mit dem Punkt zufrieden sein. Das anschließende 0:0 gegen Karlsruhe war bereits deutlich ärgerlicher. Auch in Mannheim kontrollierte der Zweitligist weite Teile der Begegnung, ohne daraus genügend Gefahr zu entwickeln.
Damit steht nach 300 Pflichtspielminuten lediglich Kanatés Treffer beim 1:0 nach Verlängerung. Auffällig ist nicht nur die geringe Ausbeute. Dem FCK fehlen auch längere Phasen, in denen der Gegner im eigenen Strafraum festgesetzt wird.
Die Außenbahnen sind mit Maximilian Joly und Mika Haas offensiv angelegt. Hinter Mërgim Berisha spielten in Mannheim Marlon Ritter und Thierry Tazemeta. In dieser Besetzung gibt es genügend Spieler, die den Ball nach vorne bringen können. Sobald der Angriff jedoch den Strafraum erreicht, ist Berisha häufig der einzige feste Abnehmer.
Prtajin fehlt als Fixpunkt
Ivan Prtajin fällt nach seinem Achillessehnenriss weiterhin aus und wird auch in den kommenden Wochen keine Option sein. Der elfmalige Torschütze der vergangenen Saison gab Lauterns Angriff eine klare Ausrichtung: Er band die Innenverteidiger, attackierte Flanken und sorgte dafür, dass zweite Bälle überhaupt in gefährlichen Räumen herunterfielen.
Berisha interpretiert die Position beweglicher. Er kann sich am Kombinationsspiel beteiligen und Räume für nachrückende Mitspieler öffnen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Ritter, Tazemeta oder ein Flügelspieler diese Räume anschließend besetzen.
Genau das geschieht noch zu selten. Lässt sich Berisha fallen, fehlt im Zentrum häufig der nächste Laufweg. Bleibt er vorne, wird er zwischen mehreren Verteidigern isoliert. Lauterns Problem ist deshalb weniger die Anzahl der vorhandenen Stürmer als die Aufteilung der offensiven Aufgaben.
Kanaté bietet einen anderen Lösungsweg
Ibrahim Kanaté löste das Problem in Mannheim nicht als klassischer Mittelstürmer. Der 19-Jährige nahm selbst Tempo auf, spielte einen Doppelpass mit Alex Murphy und traf aus der Distanz. Statt einer Flanke oder eines zweiten Balls führte ein direkter Angriff durch das Zentrum zum einzigen FCK-Tor der Saison.
Der von Anderlecht ausgeliehene Offensivspieler wurde vom FCK vor allem wegen seiner Geschwindigkeit und seiner Möglichkeiten im Eins-gegen-eins verpflichtet. Auch Torsten Lieberknecht hob nach dem Pokalspiel Kanatés Zug zum Tor, seine Technik und seine Arbeit im Gegenpressing hervor, wie die BILD berichtet. Kanaté kann Prtajins Aufgaben nicht eins zu eins übernehmen. Er könnte aber enger neben Berisha spielen und aus einer linken Ausgangsposition regelmäßig in die Spitze ziehen. Dadurch hätte Berisha einen zweiten Angreifer in seiner Nähe, während Ritter dahinter die Verbindung zum Mittelfeld hält.
Für das Spiel gegen St. Pauli wäre auch eine klarere Staffelung möglich: Berisha besetzt das Zentrum, Kanaté startet aus dem linken Halbraum in die Tiefe und der ballferne offensive Mittelfeldspieler rückt bei Flanken an den zweiten Pfosten. So müsste Lautern nicht darauf warten, dass ein einzelner Angreifer jede Situation allein löst.