FC Bayern braucht andere Internationalisierungs-Strategie als die Konkurrenz

Bild: Yu Chun Christopher Wong/Eurasia Sport Images/Getty Images
Der FC Bayern fordert die Bundesliga-Konkurrenz zu mehr Auslandsreisen auf. Die Probleme bei der Internationalisierung des deutschen Fußballs liegen jedoch in anderen Bereichen.
Der FC Bayern hat seine Asienreise abgeschlossen. Die Verantwortlichen des Vereins betonten, wie wichtig diese Reise für den Verein und die Bundesliga war. Die Münchner versicherten, hohe PR-Einnahmen erzielt und zahlreiche Sympathiepunkte gesammelt zu haben.
Testspiele waren nicht ausverkauft
Andererseits waren die beiden Testspiele des FC Bayern bei Weitem nicht ausverkauft – und durch die WM-Urlaubszeit sowie Verletzungen fehlte den Münchnern fast eine komplette Startelf.
Dennoch erweckten Präsident Herbert Hainer, CEO Jan-Christian Dreesen und Marketing-Vorstand Rouven Kasper den Eindruck, diese Reise sei ein Erfolg gewesen und könne dazu beitragen, dass die Bundesliga bei der internationalen TV-Vermarktung künftig mehr Einnahmen erzielt.
Zudem wurde die Bundesliga-Konkurrenz vehement aufgefordert, ins Ausland zu reisen. Ob diese flammenden Appelle jedoch sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt.
Elversberg hilft in Asien nicht weiter
Wenn die SV Elversberg und die TSG 1899 Hoffenheim in die USA oder nach Asien reisen würden, dürfte das Interesse sich in Grenzen halten. Dadurch wird nichts automatisch besser.
Damit die Bundesliga international mehr wahrgenommen wird und dadurch mehr TV- und PR-Gelder erzielt, sind im Wesentlichen andere Faktoren entscheidend.
Es braucht in der Bundesliga einen spannenden Titelkampf. Dazu müssten die Bundesligaklubs extrem professionell arbeiten, doch sie schaffen es nicht einmal, bei der Laufleistung mit dem FC Bayern mitzuhalten.
Die Bundesliga braucht erfolgreiche Stars mit internationaler Strahlkraft. Die Klubs sind jedoch nicht mutig genug in ihrer Transfer- und Gehaltspolitik und liegen oftmals auch bei der Kaderplanung völlig daneben.
Es braucht zudem international ausgerichtete Medien- und PR-Kampagnen, die nahezu komplett fehlen. Vor allem die große spanischsprachige und französischsprachige Community wird von der Bundesliga kaum erreicht.
Zudem sind gute diplomatische Verbindungen in die Fußballwelt notwendig, die ebenfalls ausbaufähig sind.
Insgesamt fehlt es der Bundesliga an einem Gesamtkonzept, um bei der internationalen Aufmerksamkeit deutlich zu punkten.
Die Frage wird auch sein, wann sich der FC Bayern in den Fußballgremien wieder mehr einbringt. In der DFL ist er nahezu lautlos, beim DFB dominierte eine Leverkusen-Connection, die nun von einer Dortmunder Connection ergänzt wird. Den Vorsitz der europäischen Top-Vereine (ECA) hat der FC Bayern ebenfalls abgegeben – und so ließen sich noch weitere Gremien untersuchen, in denen die Münchner mit Präsenz und Know-how fehlen.
Das hilft dem deutschen Fußball nicht gerade weiter, um international auf allen Ebenen erfolgreich zu sein. Auslandsreisen sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.