Jugendhype beim FC Bayern? Warum sich keiner täuschen lassen sollte

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images
Beim FC Bayern gibt es gefühlt einen Jugendhype. Doch basiert das Ganze auf einem nachhaltigen Konzept?
Seit einigen Monaten vermittelt der FC Bayern einen regelrechten Jugendhype. Davon sollte sich aber niemand täuschen lassen.
Unbestritten: Die Entwicklung von Lennart Karl vom No-Name-Spieler zum Nationalspieler innerhalb weniger Monate ist sensationell.
Durch Zufälle wurde Karl die Tür geöffnet
Allerdings sollte man die Zufälle, die zu dieser Entwicklung führten, nicht vergessen. Denn zunächst wollte vor allem Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß Florian Wirtz und/oder Nick Woltemade verpflichten. Dann wäre ein Platz weniger in der Offensive frei gewesen. Doch beide Spieler wechselten nach England, zu Liverpool und Newcastle.
Danach wollten Manager Max Eberl und Trainer Vincent Kompany weitere Spieler für die Offensive verpflichten, zum Beispiel Xavi Simons aus Leipzig. Hier setzte Hoeneß jedoch ein Stoppschild und forderte mehr Spielzeit für die Jugend. Erst als all diese Vorhaben scheiterten, erhielt Karl eine echte Chance, die er dann auch nutzte.
Rekordeinsatzzahl bei FC-Bayern-Talenten
Der zweite Hype: Unter Trainer Vincent Kompany kamen in der vergangenen Saison zehn U20-Spieler zum Einsatz, ein Rekordwert für die Münchner und die Bundesliga. Doch warum konnte Kompany dies machen?
Er hatte nur einen kleinen Kader zur Verfügung, und die Meisterschaft war quasi im Februar entschieden. Da fällt es fast jedem Trainer leicht, Jugendspieler einzusetzen. Gegenfrage: Angenommen, die Meisterschaft wäre bis zum Ende spannend geblieben – hätte Kompany dann auch auf so viele Jugendspieler gesetzt?
Davon abgeleitet muss man auch eine nachhaltige Frage stellen: Es wurden viele Jugendspieler eingesetzt, aber wie viele von ihnen werden in der Saison 2026/27 tatsächlich die Chance auf zahlreiche Spielminuten erhalten?
Nun startet bereits der nächste gefährliche Jugendhype: Nach zwei Testspielen wird der 16-jährige Stürmer Bastian Assomo gefeiert – und Sport1 rückt ihn bereits als potenziellen Nachfolger von Weltstar Harry Kane ins Rampenlicht: „Ein verlockendes Ziel wäre es, das Erbe von Harry Kane anzutreten. Der Engländer befindet sich aktuell mit dem FC Bayern in Vertragsverhandlungen. Von einer Verlängerung bis 2029 oder 2030 ist die Rede. Assomo wäre dann erst 20 Jahre alt.“
Assomo wird noch lange brauchen, bis er sich regelmäßige Einsatzzeiten bei den Profis erkämpft. Er füllt momentan nur eine Lücke bei den WM-geschwächten Bayern aus. Bei ihm ist spielerisch noch nichts ausgereift.
Nur zwei Jugendspielern glückte der Durchbruch
In den vergangenen Jahren haben es nur zwei Spieler geschafft, sich über die Jugend bei den Profis zu empfehlen – und das auch nur über Umwege: Josip Stanisic und Aleksandar Pavlovic.
Zahlreiche angebliche Supertalente wie Paul Wanner sind hingegen in 1b-Ligen Europas (Niederlande) oder in der 2. und 3. Liga zu finden.
Vom angeblichen Jugendhype unter Vincent Kompany bleibt bislang nur Lennart Karl übrig, der zunächst durch Zufälle zu seiner Chance gekommen ist. Von einer geplanten Jugendförderung und echten Chancen für die Jugend kann beim FC Bayern keine Rede sein.