Europäischer Traditionsklub macht für immer die Schotten dicht

Bild: Peter Schatz/Bongarts/Getty Images
Boavista Porto spielte einst in der Champions League gegen den FC Bayern. Nun wird der Verein aufgelöst. Eine lange Geschichte des Niedergangs.
Ein europäischer Traditionsklub muss den Vorhang schließen. Boavista Porto hat das Insolvenzverfahren nicht erfolgreich bestritten und muss nun alle Geschäftsräume besenrein bis Ende Juli übergeben. Über die Geschichte des Niedergangs von Boavista ließen sich mehrere Bücher schreiben.
Boavista wurde 1903 gegründet
Der Verein wurde 1903 im Stadtteil Porto gegründet. Das schwarz-weiße Schachbrettmuster im Klublogo ist über Portugal hinaus bekannt. Der größte sportliche Erfolg von Boavista war der Gewinn der nationalen Meisterschaft 2000/01. In der folgenden Champions-League-Saison spielte Boavista in der Zwischenrunde unter anderem gegen den FC Bayern. Ein Jahr später wurde noch das Halbfinale im UEFA-Cup erreicht.
Boavista verbucht auch fünf nationale Pokalsiege, der letzte davon stammt aus dem Jahr 1997.
Ab 2003 wurde im neuen, für die EM 2004 errichteten Stadion Estádio do Bessa Século XXI gespielt. Fassungsvermögen: fast 30.000 Zuschauer. Wann begann der sportliche und finanzielle Abstieg?
Hier kann das Jahr 2008 genannt werden. Damals wurde Boavista ein Zwangsabstieg verordnet, weil dem Klub für die Saison 2003/04 die Beeinflussung von Schiedsrichtern zur Last gelegt wurde. Boavista erholte sich davon zunächst nicht, stieg sogar in Liga drei ab und verweilte dort fünf Jahre.
Rückkehr in die 1. Liga 2014
Dann folgte ein juristischer Erfolg im Jahr 2013: Dem Einspruch gegen den Zwangsabstieg von 2008 wurde stattgegeben. Boavista durfte ab 2014/15 wieder in Liga 1 spielen.
Boavista behauptete sich in der 1. Liga, ohne größere sportliche Erfolge einzufahren. Die Corona-Zeit setzte dem Klub zu. 2021 stieg Investor Gerard Lopez (u.a. OSC Lille und Formel 1) als Mehrheitseigner ein. Diverse Skandale und dubiose (Nicht-)Zahlungen brachten den Verein in immer größere Schwierigkeiten. 2023 folgte eine Transfersperre, die erst 2025 wieder aufgehoben wurde.
2025 meldete der Klub Insolvenz an. Durch verschiedene Komplikationen rutschte er statt in die 2. Liga bis in die 5. Liga ab. Dort meldete Boavista zwar eine erste Mannschaft an, trat aber nicht zu Spielen an. Im Laufe der Monate gab es diverse Krisensitzungen und Vereinbarungen, doch Boavista schaffte es oft nicht, Zahlungen rechtzeitig zu begleichen oder bürokratische Fristen einzuhalten.
Im Mai 2026 gab der Verein nochmals eine Pressemitteilung heraus, in der er den Fans Hoffnung auf eine bessere Zukunft machte. In der Zwischenzeit wurde versucht, das Stadion und den Sportkomplex drumherum zwangszuversteigern. Kein Bieter wollte zunächst für das Stadion den Mindestpreis von rund 27 Millionen Euro bezahlen. Der Sportkomplex ging für 6,5 Millionen Euro über den Tisch. Dann gab es wieder verschiedene Klagen, um die Versteigerung rückgängig zu machen. Angesichts von Schulden von rund 150 Millionen Euro wäre der Betrag aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.
Nun muss Boavista für immer die Türen schließen. Das gilt für alle Sportarten.
Oder doch nicht? Eine große Fangruppe hat bereits angekündigt, die Verursacher des Missmanagements juristisch zu belangen. Zudem entstehen erste Ideen, wie die große Boavista-Community einen Neuanfang starten kann. Es gibt bereits einen von Fans gegründeten Klub namens „Panteras Negras FC“ („schwarze Panther“).