WM 2026

WM-Plätze neu vergeben? Afrikanische Teams bleiben gegenüber Europa benachteiligt

Bild: Alex Grimm/Getty Images

Europa dominiert die WM 2026. Dennoch sollte man keine falschen Schlüsse ziehen. Teams aus Afrika werden strukturell benachteiligt.

Anhänger des im Fußball beliebten Eurozentrismus können derzeit kaum ihr Selbstbewusstsein zügeln. Gleich sechs von acht Teams im Viertelfinale der WM 2026 stammen aus Europa. Im Halbfinale werden mindestens drei von vier Teilnehmern aus Europa sein, das erste Halbfinale Frankreich gegen Spanien könnte auch ein Finale sein.

Schnell folgten auch in deutschen Medien erste Analysen, warum der europäische Fußball so dominant in der Welt sei. Meistens kam man leider nicht zu den richtigen Schlussfolgerungen.

Europa stellt 16 Teams

Zunächst sind die Europäer mathematisch ganz einfach im Vorteil. Sie stellen 16 der 48 Teilnehmer. Weil sie schon immer eine große Anzahl an Teilnehmern hatten, steckt in diesen Teams mehr Turniererfahrung. Zudem haben sie durch mehr Turniererfahrung bessere Plätze in der Weltrangliste und bei der Auslosung, was es wiederum leichter macht, zumindest ein bis zwei K.o.-Runden zu überstehen.

Die Plätze für die WM 2026 wurden nicht nur aus kommerziellen Gründen erhöht, sondern auch, um vor allem die Benachteiligung Afrikas etwas abzumildern. Der afrikanische Kontinentalverband darf nun zehn Länder zum Turnier senden, aber nicht 16 wie die Europäer.

CAF ist größer als UEFA

Dabei haben die Afrikaner je nach Zählweise nur eine Nation weniger oder sogar mehr als die Europäer (55) im Portfolio. Außerdem repräsentieren die afrikanischen Nationen 1,5 Milliarden Einwohner, die europäischen nur 850 Millionen Einwohner.

So fiel auch auf, dass neun von zehn afrikanischen Mannschaften das Sechzehntelfinale der WM 2026 erreichten, aber wiederum sieben in jener Runde ausschieden. Meistens in den Schlussminuten, was ein klares Zeichen dafür ist, dass bei einer großen Weltmeisterschaft noch die Turniererfahrung fehlt. Und vielleicht fehlt auch die Lobby, wenn man sich die katastrophale Bevorteilung Argentiniens im Viertelfinale gegen Ägypten ansieht.

Diese Turniererfahrung kann natürlich nur aufgeholt werden, indem immer mehr afrikanische Teams bei einer WM starten dürfen, was ihnen wiederum zahlenmäßig zusteht.

So bleiben der FIFA zwei Möglichkeiten: Entweder sie nimmt den Europäern Plätze weg und gibt sie den Afrikanern weiter, oder sie erhöht nochmals die Teilnehmerzahl bei einer WM. Es gibt bereits Gerüchte über eine WM mit 64 Nationen.

Die Europäer sollten jedenfalls nicht zu viel feiern, denn ein Teil ihres Erfolgs, vor allem der in der Breite, besteht einfach im strukturellen Vorteil, mehr Plätze bei Weltmeisterschaften zu besitzen als andere Kontinente. Insbesondere werden die Afrikaner immer noch benachteiligt.

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