Nahezu alle Bundesliga-Klubs sind unfähig, den passenden Trainer auszuwählen

Sandro Wagner scheiterte beim FC Augsburg. Bild: Alex Grimm/Getty Images
Die Trainer-Wahl bei den Bundesliga-Klubs wirkt zumeist chaotisch. Eine Chronologie.
Man will es kaum glauben, aber es ist eine absolute Katastrophe, was in den vergangenen ein bis zwei Jahren in der Bundesliga passiert ist. Hochdekorierte Klubchefs und gutbezahlte Manager sind nicht in der Lage, einen einigermaßen passenden Trainer für ihren Verein zu finden.
Nun kommt vielleicht gleich der erste Einwand, dass der FC Bayern 2024 mit Vincent Kompany doch einen hervorragenden Trainer verpflichtet hat. Ja, aber das war pures Glück, denn zuvor hatten mindestens sechs(!) Trainer abgesagt oder eine Verpflichtung kam nicht zustande (Alonso, Nagelsmann, Tuchel, Rangnick, Glasner, Flick). Die Bayern hatten bei Kompany also mehr Glück als Verstand. Doch vielleicht zu den in dieser Hinsicht zwei unfähigsten deutschen Top-Klubs:
Absolutes Chaos in Leverkusen
Bayer 04 Leverkusen verpflichtete 2025/26 Erik ten Hag, der zuvor bei Manchester United entlassen wurde, nur um ihn nach zwei Spieltagen auch in Leverkusen zu feuern. Mit Nachfolger Kasper Hjulmand, der im europäischen Vereinsfußball bislang kaum Spuren hinterlassen hat, verfehlte Bayer die Qualifikation zur Champions League. Nun hat die Werkself Hjulmand noch nicht entlassen, weil ihnen nacheinander Trainer-Alternativen absagen. Dabei will Leverkusen die kommende Saison mit einem neuen Trainer eigentlich um die Meisterschaft mitspielen…
Nicht viel besser stellte sich Eintracht Frankfurt an. Zunächst hielt Sportvorstand Markus Krösche zu lange am überforderten Dino Toppmöller fest, dann benötigte er mehrere Wochen für eine Nachfolgelösung. Die Überraschung war Albert Riera, Meistercoach in Slowenien. Doch Riera scheiterte schon nach wenigen Wochen. Große Sprüche, wenig Leistung – so war für Riera im Sommer 2026 bereits Schluss. Nun hat die Eintracht das Comeback von Adi Hütter perfekt gemacht. Eine solide Lösung. Nur besagt die Fußball-Historie der Eintracht: Wenn ein Trainer ein zweites Mal kommt, geht es meist schief. Es bleibt spannend.
Weitere krasse Fehlgriffe aus der Saison 2025/26 sind allseits bekannt. Der FC Augsburg wollte mit Bundesliga-Rookie Sandro Wagner die Welt erobern, landete aber im Abstiegskampf. Immerhin klappte es mit der Ersatzlösung Manuel Baum dann besser. Der 1. FC Köln gewann das Rennen um den begehrten Zweitliga-Trainer Lukas Kwasniok, bevor man beim Effzeh merkte, dass der gelernte Verwaltungsbeamte mit einem großen Traditionsklub in der Bundesliga noch keine Erfahrung hat. Nachfolger Rene Wagner sicherte zwar den Klassenerhalt, allerdings wenig überzeugend. Trotzdem will Köln mit dem nächsten Bundesliga-Rookie in die neue Saison gehen.
Werder Bremen hatte zum Start der Saison 2025/26 eine romantische Vorstellung. Der sympathische Horst Steffen, der lange gute Arbeit bei der SV Elversberg geleistet hatte, könnte auch im heimeligen Werder-Kosmos Erfolge erzielen. Allerdings hatten die arrivierten Bremer Profis weniger Lust auf Steffen, die Reißleine wurde schnell gezogen. Mit Daniel Thioune folgte ebenfalls ein Bundesliga-Rookie, und da nicht alle Klubs aus der Bundesliga absteigen können, feierte Bremen eben mit Thioune den Klassenerhalt.
Union Berlin sorgte ebenfalls für eine negative Überraschung. Als die Mannschaft in der Rückrunde unter Steffen Baumgart einbrach, musste Baumgart gehen, obwohl der Klassenerhalt auch bei einer weiteren Niederlagenserie wohl gelungen wäre. Nur für die Endphase durfte Marie-Louise Eta ran. Man sprach von einer mutigen Entscheidung, aber dann wäre es doch logisch gewesen, dass Eta auch in der neuen Saison Cheftrainerin bleibt. Eta wechselt jedoch zurück zum Frauen-Team. Union versucht es nun mit dem Schweizer Meister-Coach Mauro Lustrinelli. Er wurde überraschend mit dem FC Thun Meister. Mal schauen, ob ihm auch in der Bundesliga eine Überraschung gelingt.
VfL Wolfsburg blamiert sich
Gar nicht mit Ruhm bekleckerte sich der VfL Wolfsburg. Mit den Trainer-Rookies in der Bundesliga, Paul Simonis und dann Daniel Bauer, klappte nahezu nichts. Der erfahrene Dieter Hecking, der jedoch auf seinen letzten drei Stationen jeweils die Klub-Ziele verfehlte, konnte den Abstieg in der Relegation auch nicht mehr verhindern. Die Trainer-Wahl beim Aufsteiger Hamburger SV erinnerte dagegen ein wenig an den FC Bayern: mehr Glück als Verstand. Sechs Mal scheiterten arrivierte Trainer, den HSV in die Bundesliga zurückzuführen. Als sich im Winter 2024 extern keine passende Option auftat, griff man intern auf Merlin Polzin zurück. Dieser nutzte seine Chance überragend, erst mit dem HSV-Aufstieg in die Bundesliga, nun mit dem Klassenerhalt.
Zurück zu den sportlichen Top-Klubs: RB Leipzig verpflichtete 2025/26 als Notlösung Ole Werner. Der Ex-Bremer brachte RB Leipzig zurück in die Champions League. Dennoch ist man sich im Klub derzeit nicht sicher, ob man mit Werner weiter große Ziele angehen kann. Eine Vertragsverlängerung über 2027 steht aus. Eine ähnlich unklare Situation herrscht bei Borussia Mönchengladbach. Eugen Polanski löste während der Saison Gerardo Seoane ab, so richtig neuer Schwung kam bei Polanski und Gladbach aber auch nicht auf. Die Gladbacher Führung zögerte nun etwas, bevor sie verlauten ließ, mit Polanski auch 2026/27 weiterarbeiten zu wollen.
Auch Kovac ist umstritten
Richtig durchdachte Entscheidungen, bei denen alles zusammenpasst, wurden zuletzt eigentlich nur bei der TSG 1899 Hoffenheim (Christian Ilzer), beim VfB Stuttgart (Sebastian Hoeneß) und beim SC Freiburg (Julian Schuster) getroffen. Auch Mainz musste während der Saison mal wieder den Coach wechseln. Urs Fischer löste Bo Henriksen ab. Bliebe noch Borussia Dortmund übrig. Dort wurde 2024/25 Nuri Sahin sehr schnell von seiner Cheftrainer-Rolle entbunden. Nachfolger Niko Kovac liefert Ergebnisse, aber es wird kein spektakulärer Fußball geboten, und die Entwicklung von Talenten bleibt größtenteils aus. Ob der BVB und Kovac ein Match sind, darüber streiten sich Beobachter und Fans.
So bleibt noch die kuriose Randnotiz: Die beiden Klubs, die aus der Bundesliga abgestiegen sind, haben ihre Trainer die Saison über nicht gefeuert. Beim 1. FC Heidenheim und Urgestein Frank Schmidt war das Vorgehen nachvollziehbar. Beim FC St. Pauli und Alexander Blessin eher weniger.
Fazit: Nahezu kein Bundesliga-Klub ist derzeit fähig, einen passenden Trainer auszuwählen. Was ist bloß los mit den Klub-Bossen?