Warum man sich die Floskel von „80 Millionen Bundestrainern“ sparen kann

Julian Nagelsmann ist seit Herbst 2023 Bundestrainer. Bild: Alexander Hassenstein / Getty Images
In Deutschland gibt es angeblich 80 Millionen Bundestrainer. Der Wert ist leider viel zu hoch gegriffen.
Zuletzt griffen erneut Berichterstatter die Redewendung auf, dass es in Deutschland 80 Millionen Bundestrainer gebe. Damit wird ausgedrückt, dass jeder Einwohner die Nationalmannschaft kommentiert und zu Taktik, Nominierung und Aufstellung eine eigene Meinung hat. Gleichzeitig bedeutet das: Ein Bundestrainer kann es mit seinen Entscheidungen nie allen Fans recht machen. Diskussionen sind daher unvermeidlich.
Die Floskel setzt jedoch voraus, dass sich wirklich jeder in Deutschland für das DFB-Team interessiert – eine Übertreibung, die sogar respektlos wirken kann.
Wer interessiert sich wirklich für das DFB-Team?
Denn in Deutschland leben inzwischen über 83 Millionen Menschen, von denen mindestens ein Drittel Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund sind. Dieser Teil der Bevölkerung interessiert sich möglicherweise nur teilweise oder gar nicht für das DFB-Team. Und auch von den rund acht Millionen Einwohnern unter zehn Jahren dürften die wenigsten Bundestrainer spielen wollen.
Hinzu kommt eine zunehmende Fußballmüdigkeit. Viele Menschen mögen keinen Fußball oder haben sich davon abgewandt. Betrachtet man die höchsten TV-Einschaltquoten der letzten Jahre, zeigt sich ein Potenzial von rund 30 bis 40 Millionen Menschen in Deutschland, die zumindest bei großen Fußballturnieren Interesse zeigen. Das ist jedoch die Obergrenze – die tatsächliche Zahl der Kernfußballfans liegt deutlich darunter. Deshalb sollte man den Fußball nicht überhöhen und diese Floskel besser vermeiden. Sie vermittelt einen völlig falschen Eindruck, denn weit weniger Fans diskutieren über das DFB-Team, als man annimmt.