DFB-Team

Ex-Nationalspieler Kuranyi klärt über Eklat mit Löw auf

Kevin Kuranyi wurde Vize-Europameister 2008. Bild: Getty Images

Kevin Kuranyi gehörte zu den herausragendsten Stürmern Deutschlands. Dennoch berief ihn Ex-Bundestrainer Joachim Löw nach einem Eklat nicht mehr in die Nationalmannschaft.

Kevin Kuranyi gehörte in den 2000er-Jahren zu den besten Stürmern Deutschlands. Zuerst beim VfB Stuttgart, später beim FC Schalke 04, sorgte er sportlich für Aufsehen. Doch in der deutschen Nationalmannschaft konnte er nie richtig Fuß fassen.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann verzichtete zunächst auf Kuranyi für die Heim-Weltmeisterschaft 2006. Es folgte ein Eklat mit Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw. Im Oktober 2008 wurde Kuranyi zwar für die Nationalmannschaft nominiert, gehörte aber für das Länderspiel gegen Russland nicht zum Kader. Statt das Spiel von der Tribüne aus zu verfolgen, verließ er das Stadion vorzeitig. Im Interview mit dem Magazin 11Freunde erklärte Kuranyi nun die Hintergründe.

„Im Teamhotel erfuhr ich, dass ich nicht im Kader stehen würde, was ich akzeptieren musste“, begann Kuranyi. Da er auf Klub-Ebene für Schalke 04 spielte, befürchtete er im Stadion des Rivalen Borussia Dortmund Anfeindungen. Deshalb schlug er Löw einen Kompromiss vor: „Ich bot ihm an, im nächsten Spiel in Köln zurückzustecken, wenn er mich an diesem Abend einfach auf die Bank setzen würde. Ich wäre auch im Hotel geblieben.“ Doch Löw antwortete laut Kuranyi scharf: „Du kommsch jetz‘ ma mit.“

Im Westfalenstadion bewahrheitete sich Kuranyis Befürchtung: „Dortmunder Fans bepöbelten mich und warfen Sachen nach mir.“ Kurz vor der Halbzeit plante Kuranyi eine Flucht. Während er seinen Teamkollegen auf der Tribüne sagte, er gehe auf die Toilette, ließ er einen Freund mit dem Auto vorfahren, um schnell zu entkommen. „Ich kam nie wieder“, berichtete Kuranyi, der auf dem Weg zum Auto weitere Provokationen von BVB-Fans erlebte. „Fast hätte ich mich mit ihnen geprügelt.“

Die Folgen: Obwohl Löw wegen Kuranyis starken Bundesliga-Leistungen stets eine Tür für eine Rückkehr offenhielt, nominierte er ihn letztlich nie wieder für die Nationalmannschaft. So verpasste Kuranyi auch die WM 2010. Der Vorfall belastete ihn so sehr, dass er anschließend regelmäßig Gespräche mit DFB-Psychologe Dieter Hermann führte. Heute gilt das Verhältnis zwischen Löw, inzwischen 66 Jahre alt, und Kuranyi, mittlerweile 44, als wieder intakt.

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