Füllkrug, Mohya, Thiaw: Klopp rechtfertigt seine Kader-Nominierung

Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images
Bundestrainer Jürgen Klopp bezieht ausführlich Stellung zu seiner Kader-Nominierung und macht selbst auf Widersprüche aufmerksam.
Jürgen Klopp hat via DFB-TV seine nächste Kader-Nominierung ausführlich eingeordnet. Dabei betonte er, dass viele Spieler in „einer guten Phase“ seien, weshalb mehr Akteure eine Nominierung verdienen würden.
Zum Kader von Deutschland gehören 13 Spieler, die nicht bei der WM 2026 dabei waren. Klopp betonte: „Der Kader ist ein bunter Mix aus sehr jungen und durchaus erfahrenen Spielern.“ Auch gebe es für eine Position durchaus unterschiedliche Spielerprofile.
Füllkrug in starker Form
Mit Spannung wurde natürlich die Personalie Niclas Füllkrug erwartet. Klopp führte aus, wie es zur Nominierung des 33-Jährigen kam: „Gute Form und Tore schießen – das ist nie schlecht.“ Füllkrug schieße Tore aus unterschiedlichen Positionen und habe einen unglaublichen Einfluss auf das Spiel von Werder Bremen. Das funktioniere nur, wenn man sich bei einem Verein wohlfühle.
Dass Klopp zuletzt eher angedeutet hatte, dass Füllkrug zu alt für das DFB-Team sei, tat der Bundestrainer mit dem Argument der Formstärke ab: „Wäre morgen die EM, würde ich ihn mitnehmen.“ Er habe nach Füllkrugs Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ ein Gespräch mit ihm geführt; dieses sei sein erstes mit ihm und sehr angenehm gewesen.
Klopp nominierte zudem zwei junge Talente erstmals: Brajan Gruda von RB Leipzig und Wael Mohya von Borussia Mönchengladbach. Gruda, so Klopp, sei ein „Straßenfußballer, ein geiler Zocker, der sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat“. Da er beim letzten DFB-Kader verletzt war, habe Gruda nun seine Chance verdient.
Dreimal mit der Familie von Moyha gesprochen
Bei Mohya verriet Klopp, dass er dreimal mit der Familie gesprochen habe. Dieser habe er deutlich gemacht, dass er schon oft in seiner Karriere mit Talenten erfolgreich zusammengearbeitet habe. Er verspüre nun große Lust, auch mit Mohya zu arbeiten. Bei diesem Lehrgang wolle er den 17-Jährigen genauer beobachten und sehen, wie er sich auf und neben dem Platz verhalte. Zusagen habe er noch keine an Mohya gemacht, der auch für Marokko auflaufen könnte.
Auch erwähnte Klopp, dass er weiterhin die U21-Profis im Blick habe. Dazu zähle zum Beispiel Paris Brunner, der bei der AS Monaco auftrumpfe. Auch mit Nico Tresoldi, der bei Club Brügge in der Champions League erfolgreich performe, sei er im guten Austausch.
„Tür ist nicht zu“ für Woltemade
Klopp betonte in Richtung aller Spieler, die nicht nominiert wurden, dass die Tür für sie nicht zu sei. Klopp erklärte zum Beispiel, dass der nicht nominierte Nick Woltemade bei Juventus Turin „eher eine gute Phase“ habe; dennoch sei die Umstellung von Newcastle nach Turin nicht ganz einfach für ihn, zumal Juve in einer Krise stecke. „Nick ist auf einem guten Weg, auch wenn ihm die absolute Torgefahr derzeit ein bisschen abgeht.“
Für die rechte Außenverteidigerposition lobte Klopp Freiburgs Philipp Treu in höchsten Tönen. Es habe zuletzt „Spaß gemacht“ mit Treu zu arbeiten, weshalb eine erneute Nominierung logisch sei. Klopp verzichtete dagegen in der Abwehr auf Spieler wie Ridle Baku und Benjamin Henrichs von RB Leipzig, er wolle stattdessen Stuttgarts Finn Jeltsch eine Chance geben. Dieser habe schon bei der vergangenen Nominierung einen guten Eindruck hinterlassen. Jeltsch sei „dynamisch und ein schlauer Kerl auf dem Platz. Wir haben ihn langfristig im Blick“. Jeltsch könne, je nach Aufbauformation, die Rechtsverteidigerposition unterschiedlich interpretieren. Dieses Experiment habe er bereits auf der linken Seite mit Maxi Mittelstädt durchgeführt.
Ter Stegen ist die Nummer eins
In Sachen Torhüter betonte Klopp, dass Marc-André ter Stegen seine Nummer eins sei. Dahinter folgen Jonas Urbig und Alexander Nübel als Herausforderer. Dabei sei ihm wichtig, dass sich seine Torhüter auch intelligent am Spielaufbau beteiligen. „Marc hat dabei die größte Erfahrung“, schob Klopp nach.
Viele Nominierungen im Mittelfeld und in der Offensive seien selbsterklärend, führte Klopp weiter aus – zum Beispiel der Bayern-Block im Mittelfeld mit Kapitän Joshua Kimmich. Auch lobte Klopp den Dortmunder Felix Nmecha, der eine „Maschine“ sei.
Mit Liverpools Florian Wirtz stehe er zudem in einem sehr intensiven Austausch. Dieser mache eine „tolle Entwicklung“ trotz aller Schwierigkeiten beim FC Liverpool. Wirtz gehöre zum „Maschinenraum“ des DFB-Teams. Auf dem linken Flügel habe er zudem Freiburgs Derry Scherhant als „die positive Überraschung“ des vergangenen Lehrgangs natürlich wieder nominiert.
Havertz verleiht Stabilität
Auch für weitere nominierte Spieler fand Klopp positive Worte. So befürworte er, dass Said El Mala derzeit in Köln auch auf anderen Positionen zum Einsatz komme, um seinen Fußball-IQ zu erweitern. Arsenal-Stürmer Kai Havertz gebe dem DFB-Team mit seiner Erfahrung Stabilität, zudem sei er sehr flexibel einsetzbar. Frankfurts Younes Ebnoutalib habe die Erwartungen bereits im vergangenen Lehrgang übertroffen. Zu Bayerns Youngster Lennart Karl erklärte Klopp, dieser brauche nach seiner Verletzung Zeit. Nun habe er jedoch gegen Atlético Madrid ein „superschlaues Tor“ erzielt, und er freue sich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm.
Schließlich machte Klopp selbst auf einen Widerspruch in seiner Nominierungspraxis aufmerksam: So sei Malick Thiaw dreimal in Folge nicht bei Newcastle United zum Einsatz gekommen; dies habe für ihn in diesem Fall jedoch keine große Relevanz, da Thiaw mit seinen Qualitäten im vergangenen Lehrgang voll überzeugt habe. Die Diskussion, warum dagegen Yann Bisseck, Stammspieler bei Inter Mailand, nicht nominiert sei, „ist erlaubt“, so Klopp, der sich nun auf die Länderspiele in Serbien (ohne Zuschauer) und gegen die Niederlande in Berlin freut.